Nun gehst Du in einen kleinen Vorplatz hinein, wo es Dir kaum möglich sein wird, zwischen all den Kindersachen einen Haken ausfindig zu machen, auf dem Dein Überzieher Platz hätte. Wirf ihn Helena zu, sie wird ihn Dir irgendwo hinlegen, wo Du ihn nie wiederfindest.
Du wirfst einen Blick auf Dein angenehmes Gesicht im Spiegel, „striegelst“ Dein Haar mit der Bürste, und entledigst Dich durch Stampfen des äußerlichen Schmutzes dieser sündhaften Welt. Du wählst eine der drei Türen. Natürlich die, die zum Eßzimmer führt. Du machst sie auf und begegnest einem „Gottes Friede“, das an der Wand geschrieben steht.
Durch die Glastüren des Schrankes siehst Du all das Tischgerät blinken und strahlen. Auf dem Büfett stehen Reihen von Flaschen und Krügen, die eine Auswahl Deiner Lieblingsgetränke enthalten. Karin kann dies nicht leiden, aber ich finde immer, daß es so gediegen und solide aussieht. Über dem Schrank hängen drei Teller, bemalt von Liljefors und Kreuger.
Jetzt ist der Tisch gedeckt, die Kinder stehen ungeduldig wartend hinter den Stühlen und Dein Platz neben mir auf dem Sofa erwartet Dich.
Ulf betet salbungsvoll (wir glauben, daß er mal Prediger wird):
„Gott, gib jedem Kinde seine Nahrung, fleißigen Männern und Frauen ebenfalls!“
Da Du ein sehr fleißiger Mensch bist, so ißt Du dementsprechend. Und darüber freuen wir uns alle. Du genießest, was das Haus zu bieten vermag, und obwohl dieses oder jenes anders ist, als Du es gewohnt bist, läßt Du es Dir gut schmecken, und daran tust Du recht. Jeden Sonntag essen wir zum Frühstück sogenannte „Flottmölja“, hier in Dalarna ein allgemein bekanntes Gericht, bestehend aus in Milch gekochtem „Knäckebröd“, gemengt mit einer Sauce aus Ziegenkäse und Gott weiß, was die Köchin alles hineingetan hat. Als Fleisch ißt man gebratenen Speck dazu oder ebensolchen grünen Hering.
Aber es kann auch sein, daß man Dich mit einem Essen anzuführen versucht, welches auf italienische Manier zubereitet ist. Dieses lernten die Frauen von der Signora Bellio, als sie sich mal einige Wochen hier oben bei uns ausruhte. Und Du bekommst Zwiebeln zum Hammelbraten auf französische Art. Du darfst Gesichter schneiden so viel Du Lust hast, aber muckse Dich nicht! Bei uns sollst Du unser Essen haben. Damit basta! Ich war kürzlich bei einem sehr netten jungverheirateten Ehepaar eingeladen; bei dem Abendessen hörte ich jemand sagen: „Es ist keine Frage, daß die junge Frau gut kocht, wenn sie bloß die verwünschte Muskatblüte weglassen möchte beim Spinat.“ Nein sie soll gerade dies Gewürz in ihrem Essen haben, ebenso wie sie in allen andern Dingen ihren eigenen Geschmack haben sollen, geradeso, wie ihr eigenes Wesen, so daß man auch merkt, daß man bei ihnen ist. Nur wenn das Essen nicht sauber oder nicht mit Sorgfalt zubereitet ist, oder nicht mit einem freudigen Herzen dargeboten wird —, dann darfst Du Dich beschweren.
Übrigens — da von Essen und Trinken die Rede ist: — fanden wir da kürzlich ein altes Buch mit dem schönen Titel „Adelige Übungen, viertes Heft, mit dazugehörigen Kupferstichen, gedruckt in dem Sal der Königlichen Buchdruckerei. Niclas Wankyfs Druckerei. Anno 1690“. Darin stehet zu lesen: „Usus Globorum, das heißt: Den Nutzen, den man von den Globen in der Astronomie und der Geographie hat: Von Skantz Oeconomia oder Wirtschafts- und Landwirtschaftsbuch: Ärztebuch, Gartenbuch und zuletzt Kochbuch.“