Wenn die Kinder im Bett waren und die Dienstmädchen sich auf ihr Kämmerchen neben der Waschküche verzogen hatten, pflegten Karin und ich uns im Eßzimmer besonders wohl zu fühlen. Ich las ihr etwas vor, während sie die Löcher und Risse flickte, die im Laufe des Tages in den verschiedenen Kleidungsstücken der Gören entstanden waren. Jetzt, seitdem ich ein gar zu unwohnliches Garderobenzimmer zu einer Art Atelier umgemodelt habe, sitzen wir meistens dort. Es liegt in einer Reihe mit den beiden Schlafzimmern, und von da aus kann Karin ihre Kleinen hören, wenn sie aufwachen und eines beruhigenden Wortes, eines Kusses oder einer Abreibung bedürfen, sofern ihnen zu heiß ist, um einschlafen zu können.
An den sonnigen, regenfreien Tagen essen wir unter der großen Birke hinter dem Wohnhaus. Weißt Du, diese Birke ist das schönste von allem! Wenn dieser Baum nicht wäre, hätte die ganze Besitzung gar keinen Wert für mich. Er gibt einen so herrlichen Schatten, und es ist dort gerade so ein ganz klein wenig zugig, so viel, daß sich weder Mücken noch Motten dort wohlfühlen.
Die Manieren sind dort noch ungezwungener, und die Kleinen mit den bloßen Füßchen verzehren dicke Milch mit einem Eifer, der himmlisch ist. Und wie sie sich unterhalten und herumtummeln! Wenn Karin jemand klar machen will, wie wundernett es ist, sich mit der munteren Schar abzugeben, pflegt sie mit leuchtenden Augen, voll Überzeugung zu sagen: „Es macht viel, viel mehr Spaß, als ins Theater zu gehen!“
Als ich heute mit hausväterlicher Würde zwischen ihnen saß und so erbaulich wie möglich versuchte, ihnen auseinanderzusetzen, daß es Gottes Fügung war, daß der einfache Soldat Bernadotte aus Pau König von Schweden und Norwegen wurde, und daß dies sicher auf einem Blatt im Buche des Schicksals vorher bestimmt gewesen sei, sagte Lisbeth mit einer unnachahmlichen Schulterbewegung: „König? Ah, man verheiratet sich ganz einfach mit einer Prinzessin und die Sache ist fertig!“
Es ist ja gewiß recht dumm, aber man muß darüber lachen. Und so sind sie immer. In der Schule fragte der Lehrer, was man unter „Schmarotzer“ verstehe — nach meiner Ansicht nichts, was man den Kindern beizubringen braucht! — Keiner in der Klasse konnte diese Frage beantworten, außer Pontus, der einen Finger hochhielt (das Schäfchen) und sich dann äußerte: „Ja, das sind solche, die immer im Sommer zum Besuch kommen, wenn man auf dem Lande wohnt“ ... Als mir dies erzählt wurde, lachte ich wahrlich nicht.
Ein anderes Mal gab Lisbeth folgendes zum besten: „Ich hatte gestern Namenstag und Pontus heute, wir sind beinahe Zwillinge.“
Also — um auf meine Hütte zurückzukommen, können wir ja auch so tun, als wäre draußen ein Platzregen und wir müßten in der „guten Stube“ Kaffee trinken.