Diese Stube ist der Tempel der Faulheit.

Hier auf dem Sofa hat vorhin ein Mann seine vor Faulheit gebrochenen Glieder ausgestreckt und sowohl seinen Körper als seinen Geist in wonnigem Nichtstun gedehnt; und dieser Mann schämt sich jetzt, hier einem — nehmen wir an — großen Publikum solches zu beichten.

Es ist mir wahrlich, wenn die Gewissensbisse zuweilen sehr schlimm sind, ein großer Trost, zu wissen, daß mein Hund noch fauler ist als sein Herr.

Außer der Faulheit und der Treue teilt er mit mir noch eine Eigenschaft, nämlich seine Vorliebe für Hühner. Er kann kein Huhn sehen, ohne sofort hinter ihm herzulaufen, und trotz meiner energischen Kommandorufe, welche meine ganze Willenskraft und meinen vollen Zorn in sich vereinen, ist das Huhn mit einem Biß ins Jenseits befördert. So, als hätte es nie existiert.

Ich versuche jedesmal, ihm die Untugend durch eine gehörige Tracht Prügel auszutreiben. Aber es hilft nichts. Da sagte mir so ein Weiser, wie sie uns mitunter auf unserm Lebenspfade begegnen, daß es nichts leichteres gäbe, als dem abzuhelfen.

„Binde dem Hund das totgebissene Huhn um den Hals, und wenn es da gehangen hat, bis es anfängt, übel zu riechen, da, glaube ich, hat der Hund für alle Zeiten den Geschmack an Hühnern verloren.“

Kaum war der Rat erteilt und von mir angenommen, als ich die wilde Jagd in Hauptmann Linderdahls Hühnerhof hörte. Es war ein außerordentlich fettes, gesprenkeltes Huhn, welches sein Leben hatte hergeben müssen. Ich befolgte den Rat des Weisen, und führte das arme Hundevieh so ausgestattet an einer Kette durch das ganze Dorf. Hin und wieder gab ich ihm einen kleinen Hieb, um ihm meine Absicht begreiflicher zu machen.

Etwas so Jämmerliches sah die Welt noch nie. Die ganze Bevölkerung war Zeuge dieser schandbaren Prozession. Das Huhn zwischen den Vorderbeinen, mit eingezogenem Schwanz und düsterem Blick, so wurde der Hund vorwärts getrieben. Das Jungenspack jubelte. Mein Herz krümmte sich. Endlich, zu Hause angelangt, wurde er an die Kette gelegt.

Als ich nach einer Weile herauskam, um mich voller Grausamkeit in aller Stille an seiner Schmach zu weiden ... war das Huhn bis auf den letzten Rest verzehrt, und Kapo kam auf mich zu voller Dankbarkeit, mit dem Schwanze wedelnd, um mir verständlich zu machen, wie ausgezeichnet ihm das Huhn geschmeckt habe.