Ich habe Dich ja so lieb! Du wirst bald merken, daß es gerade das Interesse dafür, wie Du es hast, ist, welches mich veranlaßt, die hier vorliegenden Bilder herausgeben zu lassen. Nimm es nun auf, wie Du willst, jedenfalls, ich muß sie Dir zeigen. Sei mein Freund! Dann wirst Du mich weniger anmaßend, und meine Betrachtungen weniger sentimental finden.
Also! Wenn ich jetzt so bei Dir an Deine Stimmung appelliere, muß ich gestehen, daß ich selbst ein klein wenig mißgestimmt bin, denn, bei näherer Betrachtung sehe ich soeben, daß meine Kinder viel zu viel „Julklapps“ bekommen. Damit werden sie verwöhnt und das ist nicht gut. Ich erhielt während meiner ganzen Kindheit nur ein einziges Weihnachtsgeschenk, das aber war mir zeitlebens von Nutzen, denn aus ihm erwuchs in meinem kleinen, vertrockneten Herzen die Tugend der Dankbarkeit:
Vater, Mutter und ich saßen eines Heiligabends in dem einzigen Zimmer, welches wir besaßen, vor dem Kaminfeuer. Viel Armut war darin zu finden, aber keine Mißgunst. Mutter betrachtete die sogenannten „besseren“ Leute, als seien sie in der Tat so etwas wie höhere Wesen, denen es ganz selbstverständlich gut gehen müsse, Vater dagegen fand alles um sich herum so ausgezeichnet, wie es nicht besser hätte sein können; und wäre er plötzlich — na, sagen wir mal — zum Staatsminister ernannt worden, so würde ihn „diese kleine Veränderung“ weder erstaunt, noch sonderlich beglückt haben.
Die Mutter des Künstlers
Weil uns so gänzlich alles Weihnachtliche fehlte, so fing der Vater, wohl in der Absicht, uns dennoch etwas in Weihnachtsstimmung zu versetzen, an, von seiner Heimat in Sörmland zu erzählen. Er erzählte, wie wir im fünfzehnten Jahrhundert den Bauernhof „Hammarby“ gegen „Klein-Löfhulta“ eingetauscht hatten: „Von der alten Fräulein Lillie“ sagte er so ruhig, als sei es gestern gewesen. Von wem er es selbst wußte, weiß ich nicht. Er erzählte weiter, daß der See früher bis zu der uralten Kirche reichte und meinte, das sei ihm auch ganz klar, weil er einst, noch als kleiner Knabe, dort einen, in einen Stein festgenieteten eisernen Ring gefunden habe, einen solchen, an dem Schiffe festgekettet wurden, so daß ja als sicher anzunehmen sei, daß unsere Vorfahren Wikinger gewesen wären.
(Diese anmutige, behende Art, seine Vorfahren anzudeuten, hat eine gewisse Ähnlichkeit mit der grundlegenden Absicht dieses Buches. Auch dieses soll dartun, wie beim schwedischen Bauern die Anhänglichkeit an Heimat und Scholle zu tief wurzelt, als daß es möglich wäre, sie selbst durch den neuesten amerikanischen Patentpflug auszuroden.)
Während er noch so halblaut plauderte, tat sich die Tür ein wenig auf, um dann sofort wieder zuzuschlagen. Aber ich hatte doch gehört, daß etwas hereingeworfen wurde, und meinen Augen war das Vorüberhuschen des Rockes einer Dragoneruniform nicht entgangen.
Auf dem Fußboden lag ein kleines Paket mit der Aufschrift „Carl“ und es enthielt ein Bonbon, ein stattliches Bonbon, ein königliches, mit Fransen aus Seidenpapier und mit einem, in Spiralform darauf geklebten Vers. Es war ein Begräbnis-Bonbon. Und deshalb war der Vers sehr trostreich.