Seitdem steht der Name von Sergeant Erbsmann mit goldenen Lettern in flammender Schrift auf der reinsten Seite meiner Erinnerungen.
Und jetzt sitze ich selbst und verteile Weihnachtsgaben im eigenen Nest. In diesem Nest, von dem ich erzählen will.
Zunächst etwas darüber, wie es mein wurde.
Vor einigen Jahren machten mein Schwiegervater und ich eine kleine Reise nach Dalarna, um Siljan herum. Dann aber führte uns ein kleiner Abstecher nach dem Heimatort meines Schwiegervaters, Sundborn, wo zwei alte Schwestern von ihm in einem ihm gehörenden Häuschen wohnten.
Es war ein kleiner, häßlicher, unansehnlicher, auf einem Schlackenhügel gelegener Bau. Man nannte ihn „Klein-Hyttenäs“, zum Unterschiede von dem, dem Nachbarn gehörenden „großen“ Hyttenäs. — Das bißchen Erde, auf dem Kartoffeln gebaut wurden, war von anderswo hierher gebracht worden, und nur eine Hand voll Lehm ermöglichte es einigen Fliedersträuchern, den Duft und die Pracht Persiens über das Ganze zu verbreiten. Das Hüttlein steht unweit derjenigen Stelle, wo der Sundbornsbach eine Biegung macht, und wo er sich eine Kleinigkeit erweitert. Ein schmaler, abschüssiger Fußpfad führt unmittelbar zum Wasser, und dort liegt ein alter Nachen, um anzudeuten, daß hier „der Hafen“ sei. Neun schlanke Birken hatten unaufgefordert in der Schlacke Fuß, d. h. Wurzeln, gefaßt und sie machten in der Tat nicht den Eindruck, als litten sie hier unter Langerweile. Auch den beiden Alten konnte man keine Not ansehen. Zwei Muster von Ordnung. Und hatten doch nicht mehr, als sie so gerade zum Leben brauchten. Im Hause war alles sauber und nett. Die Möbel vom einfachsten Schlage, altmodisch und haltbar, ein Erbstück ihrer Eltern, die auf einem Gut in der Nähe gewohnt hatten.
An dieser Stätte überfiel mich das herrliche Gefühl der Abgeschiedenheit vom Lärm und Getriebe der großen Welt, so, wie ich es nur einmal vorher empfunden hatte. Und das war in einem französischen Bauernhof gewesen.
Als mein Schwiegervater mir daher vorschlug, mir im selben Dorf ein nicht zu großes Gut zu kaufen, lehnte ich mit absoluter Bestimmtheit ab, und begründete das, indem ich ihm erklärte, daß sich nur etwas, was diesem kleinen Idyll gleiche, für einen Künstler eignen würde.
Einige Jahre später starb die eine der Schwestern. Die andere mochte nicht allein so einsam wohnen bleiben, und da erinnerte sich mein Schwiegervater meiner damaligen Äußerung, und schenkte mir das Haus mit allem, was darin war.
Dafür soll er bedankt sein! Es tut mir in der Seele leid, daß dieser Ehrenmann starb, ehe er sehen konnte, wieviel Segen seine Gabe brachte. Denn sie hat viel zu unserm Glück beigetragen. Dort ist gezimmert und gemauert worden, jeden Sommer, soweit die Zeit und der Geldbeutel es zuließen. Meine Arbeit floß so leicht, ich hätte fast gesagt im Takt mit den Axtschlägen und dem Hämmern der Zimmerleute aus dem Dorf. Jedes Brett, jeder Nagel, jeder Wochenlohn kostete mich einen kummervollen Seufzer, aber ich dachte, kommt Zeit, kommt Rat. Das Haus mußte ich so haben, genau so, wie ich haben wollte, sonst hätte ich mich nie darin wohl gefühlt, und daß meine Arbeit darunter hätte leiden müssen, war mir klar.