Während Antonius und Kleopatra lange in Ephĕsos, Samos, Athen und Patrae (in Achaja) verweilen, vollendet Octavian seine Rüstungen und setzt das Landheer nach Epirus über; seine 250 Schiffe starke, von Agrippa geführte Flotte besiegt die an Zahl der Schiffe überlegene Flotte des Antonius und der Kleopatra in der

31. (2. Sept.)

Seeschlacht bei Actium.

Kleopatra flieht mit ihren Schiffen, ehe die Schlacht entschieden ist; Antonius folgt ihr. Sein Landheer ergibt sich nach 7 Tagen dem Octavian ohne Kampf.

30.

Octavian geht nach Asien, wo er sein 4. Konsulat antritt, kehrt zur Beschwichtigung einer Meuterei der Veteranen auf kurze Zeit nach Italien zurück, begabt sich dann wieder zu seinem Heere und führt es durch Syrien nach Ägypten. Antonius, von seinen Truppen verlassen, tötet sich auf die falsche Nachricht vom Tode der Kleopatra. Diese tötet sich bald darauf durch Gift, als sie sieht, daß Octavian sie nur schont, um sie in Rom im Triumph aufzuführen. Octavian macht Ägypten zur römischen Provinz, ordnet dann die Verhältnisse in Vorderasien und kehrt 29 im Monat Sextilis (nachher ihm zu Ehren Augustus genannt) nach Rom zurück. Dreitägiger Triumph, der Janustempel geschlossen (vgl. S. 72).

Alleinherrschaft Octavians, in der von Cäsar begründeten Weise, jedoch so, daß die Dictatur ersetzt wird durch das von ihm anfangs ständig bekleidete Konsulat, dann durch das allgemeine prokonsularische Imperium. Das römische Reich, nach Beendigung der Bürgerkriege im Frieden aufblühend, schützt noch mehrere Jahrhunderte lang unter der Herrschaft der Kaiser die Kulturvölker des Altertums gegen die Angriffe der Barbaren.

§ 10. Kunst und Literatur bei den Römern.

Die Anfänge nationaler Baukunst und Dichtung bei Etruskern und Latinern entwickeln sich erst durch die Bekanntschaft mit griechischer Kultur zu höherer Blüte. Griechischer Baustil erscheint in den Tempeln und Säulenhallen, mit welchen Rom sich schmückte, als es zur Großstadt heranwuchs. Griechische Statuen wurden nach Eroberung griechischer Städte (Tarent 272, Syrakus 212, Korinth 146) zahlreich nach Rom gebracht; seit 146 arbeiteten viele griechische Künstler in Rom. Drei griechische Philosophen (Karneades, Diogenes, Kritolaos) 156 als athenische Gesandte in Rom.

Anfänge der römischen Literatur: Gottesdienstliche Lieder der Salii (S. 73) und Fratres arvales, religiöse und geschichtliche Aufzeichnungen der Priester (libri pontificum, fasti consulares und triumphales), Erklärungen der Zwölf-Tafelgesetze (S. 78 f). Volkstümliche Bühnendarstellungen werden zuerst 364 erwähnt als Bestandteil der Festspiele (ludi scaenici). Griechische Tragödien und Komödien in lateinischer Bearbeitung brachte Livius Andronīcus, ein Grieche aus Tarent, seit 240 in Rom zur Aufführung, nach ihm Cn. Naevius aus Campanien, der auch nationale Stoffe dramatisch darstellte (fabulae praetextae) und den ersten Punischen Krieg in einem Epos (in saturnischen Versen) besang; ferner Q. Ennius aus Rudiä in Calabrien († 169), der ebenfalls in einem Epos in Hexametern (Annales) die Geschichte Roms bis auf seine Zeit darstellte, befreundet mit Scipio Africanus maior. Erhalten sind die Bearbeitungen griechischer Komödien von T. Maccius Plautus († 184) und P. Terentius († 159).