Karl der Dicke regiert zuerst gemeinsam mit seinen älteren Brüdern Karlmann und Ludwig. Letzterer weist durch den Sieg bei Andernach am Rhein 876 Karls des Kahlen Ansprüche auf Lothringen zurück. Karl zieht 879 und 881 nach Italien, erlangt 881 in Rom die Kaiserkrone (Karl III.) wird 884 auch in Westfranken zum König gewählt. So vereinigt er noch einmal Karls des Großen Monarchie mit Ausnahme von Niederburgund (Rhônegebiet), wo 879 Boso von Vienne, Schwiegersohn Kaiser Ludwigs II., zum König erwählt war (Hauptstadt Arles, daher der Name Arelatisches Reich). Aber er verliert bald sein Ansehen, weil er den Paris belagernden Normannen ein Lösegeld von 7000 Pfund Silber bewilligt und Burgund verpfändet; er wird von den zu Tribur (südöstlich von Mainz auf dem rechten Rheinufer) versammelten Fürsten des ostfränkischen Reiches abgesetzt und stirbt bald darauf. Hochburgund (Westschweiz und Franche-Comté) wird 888 ein selbständiges Reich unter dem Welfen Rudolf.
887–899.
Arnulf von Kärnten, Sohn Karlmanns, schlägt die Normannen bei Löwen an der Dyle 891 und kämpft im Bunde mit dem finnischen Reitervolke der Magyaren (Ungarn), das vom Ural her in die früheren Wohnsitze der Avaren eingedrungen ist, gegen Swatopluk von Mähren, dessen slavisches Reich nach seinem Tode (894) zerfällt. Arnulf zieht zweimal nach Italien, wird 896 in Rom zum Kaiser gekrönt, stirbt aber, ehe er sein Reich befestigen kann. Ihm folgt sein sechsjähriger Sohn
899–911.
Ludwig das Kind unter Leitung des Erzbischofs Hatto von Mainz. Furchtbare Verheerung Deutschlands durch die Raubzüge der Magyaren; wiederholt durchziehen sie Bayern (907 Herzog Luitpold, Stammvater der Wittelsbacher samt seinem Heer vernichtet), Thüringen und Sachsen. Zugleich innere Fehden: Graf Adalbert von Babenberg kämpft gegen die in Franken und Hessen begüterten Konradiner; er wird besiegt und vor seiner Burg hingerichtet.
In verschiedenen Reichsteilen erhebt sich wieder das durch Karl den Großen beseitigte Stammesherzogtum; es bilden sich die Stammherzogtümer Sachsen, Franken, Bayern, Schwaben, Lothringen. Nach Ludwigs Tode lehnt der greise Otto der Erlauchte, Herzog von Sachsen, die Königskrone ab und lenkt die Wahl der Großen auf den mit den Karolingern nahe verwandten Konradiner
911–918.
Konrad I. von Franken. Einfälle der Dänen, Slaven und Magyaren. Konrad kämpft vergeblich um die Anerkennung der Königsgewalt, namentlich gegen Heinrich, Ottos des Erlauchten Sohn, seit 912 Herzog von Sachsen. Lothringen wendet sich dem westfränkischen Reiche zu, Elsaß bleibt mit Schwaben verbunden.
In Italien, welches von Raubzügen der Magyaren und der Araber heimgesucht wird, hat nach Arnulfs Tode Berengar von Friaul ein Königtum begründet, er erlangt 915 auch die Kaiserwürde. Gegen ihn tritt 922 Rudolf II. von Hochburgund auf, gegen diesen Hugo von Niederburgund. Rudolf II. schließt 933 Vertrag mit Hugo, der zum König von Italien gekrönt, auf Niederburgund verzichtet; vereinigtes Reich Burgund (Hauptstadt Arles) 933–1033. Dagegen gewinnt das italische Königtum keinen festen Bestand; Hugo wird 945 von Berengar von Ivrea vertrieben; Hugos Sohn Lothar, mit Rudolfs II. Tochter Adelheid (deren zweiter Gemahl Otto der Große) vermählt, sucht nach dem Tode seines Schwiegervaters vergebens dessen Reich wiederzugewinnen, † 950. Das Papsttum ist in dieser Zeit in tiefem Verfall, abhängig von streitenden römischen Adelsparteien.
919–1024. Sächsische Könige und Kaiser.