§ 2. Die Inder.
Um 1500 v. Chr. Einwanderung arischer Stämme in das Tiefland des Indus; sie breiten sich allmählich aus über das Gangesland, über die Halbinsel Dekhan und die Insel Ceylon (Singhala), überall eine dunkelfarbige Urbevölkerung (Dravidas) verdrängend. Gründung zahlreicher Staaten.
Der alt-arische Götterglaube, den die Eroberer mitbrachten, bilderlose Verehrung der Naturmächte (der Himmelsgott Diausch-Asura, der Gott des allumfassenden Weltraumes Váruna, der Feuergott Agni, der Gewittergott Indra u. a.), ward unter dem Einfluß der Priester allmählich zu der mehr monotheistischen Brahma-Religion umgebildet, die das gesamte Denken und Leben in strenge Satzungen einfügte. Viele Vorschriften der Reinigung, Lehre von der Seelenwanderung. Das Volk wird in vier streng geschiedene Stände (Kasten) geteilt: Priester (Brahmanen), Krieger (Kschatrija), Ackerbauer und Gewerbetreibende (Vaiçja), die unterworfenen Ureinwohner als Dienende (Çudra): am niedrigsten stehen die als unrein verachteten Paria. Die Könige gehen aus dem Kriegerstande hervor, sie wählen ihre Ratgeber und Beamten aus den Brahmanen.
Reiche Entwickelung der Literatur; Sanskrit die Schriftsprache, von der Volkssprache unterschieden. Vedas die heiligen Bücher (Hymnen, Gebete, Sprüche), Gesetzbuch des Manu. Die epischen Dichtungen Mahabhârata und Ramâjana schildern die Heldentaten der Kriegszeit, doch hat ihr ursprünglicher Inhalt manche Umbildung in priesterlichem Sinne erfahren. In Baukunst und Skulptur ist seit dem 6. Jahrhundert persischer Einfluß erkennbar.
Um 520.
Buddha, ein Königssohn (seine Heimat an den Vorhöhen des Himâlaya), tritt als Reformator auf, verwirft die strengen Satzungen und Kastenunterschiede, lehrt sittliche Vervollkommnung durch Entsagung und Mitleid, stellt als Ziel die Ruhe der Seele (Nirwāna) auf. Er wird später selbst als Gott verehrt, sein Bild in den Tempeln aufgestellt.
Um 450.
Das Reich von Magādha im Gangeslande erhebt sich nach Unterwerfung mehrerer Nachbarstaaten zu größerer Bedeutung: seine Könige nehmen den Buddhismus an. Residenz Pataliputra (Patna).
317–291.
Tschandragupta, ein Flüchtling aus Magadha, vertreibt die Makedonier aus dem Induslande, macht sich zum König von Magadha und erweitert das Reich fast über die ganze vorderindische Halbinsel. Sein Enkel