1104.
Empörung seines zweiten Sohnes Heinrich, der ihn in der Burg Böckelheim (an der Nahe) gefangen setzt und zur Verlesung eines Sündenbekenntnisses und Abdankung zwingt (Fürstentag zu Ingelheim). Der Kaiser entflieht nach Lüttich, wo er 1106 stirbt, während das deutsche Bürgertum für ihn zum Kriege rüstet; die Leiche erst 1111 vom Bann gelöst und im Dom zu Speier beigesetzt.
1106–1125.
Heinrich V., durch die päpstliche Partei zum Thron gelangt, aber entschlossen, sein Herrscherrecht zu behaupten. Nachdem er die Grenzländer des Reiches im Westen und Osten (Lothringen und Böhmen) durch Feldzüge gesichert hat, zieht er nach Rom, nimmt den Papst Paschālis II. gefangen, erzwingt die Kaiserkrönung und das Recht der Investitur (1111). Sobald aber der Kaiser Italien verlassen hat, erklärt ein zu Rom im Lateran versammeltes Konzil den Vertrag für erzwungen und nichtig; ein zweites Konzil zu Vienne spricht den Bann über Heinrich aus.
Neuer Aufstand der Sachsen unter ihrem Herzog Lothar von Supplinburg, der die Billunger (S. 159) beerbt hatte; die Erzbischöfe von Mainz und Köln u. a. Fürsten schließen sich an. Sieg der Sachsen am Welfesholze bei Mansfeld 1115. Friedrich und Konrad von Staufen verteidigen die Sache des Kaisers, während dieser zum zweiten Mal nach Italien zieht, dort die der Kirche vererbten Mathildischen Güter in Besitz nimmt und einen Gegenpapst aufstellt (1118). Der Investiturstreit wird nach langen Verhandlungen mit dem Papste Calixtus II. beendigt durch das
1122.
Wormser Konkordat: Kirchliche Wahl der Bischöfe und Äbte für Deutschland in Gegenwart des Kaisers oder seiner Abgesandten, kaiserliche Belehnung vor der Weihe, aber nicht mit Ring und Stab, sondern mit dem Scepter; für Italien und Burgund die gleiche Belehnung erst nach erfolgter Wahl und Weihe. Die geistlichen Fürsten bleiben Lehnsträger des Reiches; sie erscheinen auch fernerhin vielfach als treue Stützen der kaiserlichen Macht.
Die Verbindung Deutschlands mit Italien, trotz der vielfachen Kämpfe segensreich für beide Länder, aber in Italien mehr und mehr als Fremdherrschaft empfunden, dauert fort. Handel und Gewerbe entfalten sich in den aufblühenden Städten, z. B. Worms, Köln, Augsburg u. a. m. (S. 190). Kunst und Wissenschaft, von der Kirche gefördert, tragen in Deutschland noch römisches Gepräge, entwickeln sich aber selbständig. Romanischer Baustil: Dome zu Mainz und Speier, Kaiserpfalz zu Goslar. Der kunstsinnige Bischof Bernward von Hildesheim († 1022). Dichtung und Geschichtschreibung in lateinischer Sprache: das Waltharilied, Roswitha von Gandersheim, Widukind von Corvey, Lambert von Hersfeld u. a. Die Volkssprache wird erst allmählich zur Schriftsprache.
§ 2. Frankreich.
843–987.