Heinrich läßt den Papst durch eine Synode deutscher Bischöfe in Worms für abgesetzt erklären; darauf spricht Gregor gegen ihn den Bann aus. Ein Fürstentag zu Tribur erklärt den König für abgesetzt, wenn er nicht binnen Jahresfrist sich vom Banne löse.

1077. Januar.

Heinrich büßt vor dem Papst in Canossa, einem Schlosse bei Reggio nell’ Emilia, der Markgräfin Mathilde von Tuscien, Tochter der Beatrix, gehörig (S. 165). Der Papst löst ihn vom Banne unter der Bedingung, daß er in seinem Streit mit den Fürsten die Entscheidung des Papstes anerkenne. Heinrich bleibt in Oberitalien, verhindert die Reise des Papstes nach Deutschland. Die Fürsten wählen Rudolf von Schwaben zum deutschen König.

1077–1080.

Krieg in Deutschland zwischen Heinrich IV. und seinem Schwager Rudolf, letzterer wird in der Schlacht an der Elster 1080 tödlich verwundet; sein Herzogtum Schwaben hat Friedrich von Hohenstaufen, Heinrichs Schwiegersohn, bereits 1079 erhalten.

1081.

Heinrich, zum zweiten Mal gebannt, zieht nach Italien, erobert Rom 1084, wird durch den von ihm erhobenen Gegenpapst Clemens III. zum Kaiser gekrönt. Gregor in der Engelsburg belagert, durch die ihm treu ergebenen Normannen unter Robert Guiscard befreit, stirbt 1085 in Salerno. Seine letzten Worte »Dilexi iustitiam et odi iniquitatem, propterea morior in exilio«.

Deutschland durch Bürgerkrieg zerrüttet. Kaiser Heinrich erobert 1084 Augsburg, zieht dann nach Metz, läßt 1085 durch eine Synode zu Mainz den Gottesfrieden für das ganze Reich verkünden. In Sachsen bekämpft er den Gegenkönig Hermann von Salm, welcher 1088 abdankt; die Sachsen unterwerfen sich nach Anerkennung ihrer alten Rechte.

1090–1097.

Heinrich kämpft in Italien gegen die Markgräfin Mathilde und Papst Urban II. Abfall seines Sohnes Konrad († 1101). In Deutschland ist Herzog Welf von Bayern Führer der päpstlichen Partei. Der Kaiser verweilt fast machtlos in Italien, während Urban II. als Gebieter der ganzen Christenheit auftritt und das große Unternehmen des ersten Kreuzzuges (S. 173) ins Werk setzt. Nach Aussöhnung mit Herzog Welf kehrt der Kaiser nach Deutschland zurück, stellt den Landfrieden zum Schutze der Bürger und Bauern wieder her und besetzt die Bistümer nach seinem Ermessen. Aber die Bischöfe fast immer auf der Seite seiner Gegner.