Drei noch dem Mittelalter angehörige Erfindungen, die mit dem Beginn der neueren Zeit zu allgemeinerer Anwendung kommen, sind auf die Umgestaltung der Welt von großem Einfluß gewesen. 1. Der Kompaß (um 1310 durch Flavio Gioja von Amalfi erfunden?), fördert Sicherheit der Schiffahrt und ermöglicht die Entdeckungsfahrten. 2. Das Schießpulver, wahrscheinlich aus Asien (China, Indien, Arabien) nach Europa gekommen, nach einer unhaltbaren Überlieferung erfunden durch den Mönch Berthold Schwarz zu Freiburg im Breisgau (1354?), jedenfalls um die Mitte des 14. Jahrhunderts in Europa zuerst angewendet. Durch diese Erfindung eine allmähliche Umgestaltung des Kriegswesens und der Untergang des Rittertums herbeigeführt (S. 226). 3. Die Buchdruckerkunst (S. 206), allgemeiner verbreitet, seitdem sich nach der Eroberung von Mainz (1462 in der Pfälzer Fehde, s. S 206) die Gehilfen Fusts in verschiedene Länder zerstreut hatten, das wichtigste Mittel zur Verbreitung geistiger Bildung, Förderung des Humanismus und der Reformation.

1492.

Entdeckung Amerikas durch Columbus.

Cristoforo Columbo (er selbst nannte und schrieb sich, seit er Spanier geworden, stets Cristobal Colon), aus Genua, seit seiner frühesten Jugend Seefahrer, will einen westlichen Seeweg nach Indien und namentlich nach der Wunderinsel Zipangu (Japan) suchen, welche der Venetianer Marco Polo (Reisen von 1271–1295, S. 206) in dem Buche Mirabilia mundi beschrieben hatte. Vom Könige von Portugal abgewiesen, tritt Colon 1486 in den Dienst der Königin Isabella von Kastilien (S. 214). Erst nach der Einnahme Granādas werden notdürftige Mittel für das große Unternehmen beschafft. Vertrag mit Colon, dem der Adel, die erbliche Würde eines Admirals und Vizekönigs und ⅒ der Einkünfte der neuen Länder zugestanden werden. Er unternimmt 4 Reisen.

Erste Reise 1492. Abfahrt von Palos mit 3 kleinen Schiffen am 3. Aug. 1492, von den Kanarischen Inseln am 6. September. Am 12. Oktober Landung auf Guanahani (San Salvador), einer von den Bahama-Inseln. Entdeckung von Cuba und Haïti; erste Kolonie Española auf Haïti gegründet.

Zweite Reise 1493–1496 von Cadiz aus. Entdeckung der Kleinen Antillen und der Insel Jamaika; Niederwerfung des Aufstandes in Española.

Dritte Reise 1498–1500. Trinidad und das Festland von Südamerika[41] (die Mündung des Orinoko) entdeckt; dann Fahrt nach Española. Colon, als Ausländer, auch durch Härte und nicht abzuleugnende Habsucht verhaßt, wird bei Hofe angeklagt. Bobadilla, mit Vollmacht als Oberrichter nach der Kolonie gesendet, schickt ihn in Ketten nach Spanien. Dort wird Colon sofort in Freiheit gesetzt und mit Auszeichnung behandelt, behält auch die Admiralswürde, wird aber als Statthalter durch Ovando ersetzt.

Vierte Reise 1502–1504. Küste von Honduras entdeckt, Schiffbruch, trauriger Aufenthalt bei den Wilden auf Jamaika, endlich Rückkehr von Haïti aus.

Columbus stirbt in Valladolid 1506, ohne zu wissen, daß er einen neuen Erdteil entdeckt hat; er hielt jene Länder für Teile Asiens (Indien). Sein Sohn Diego Colon, 1509 Admiral und Vizekönig von Española († 1526). Die Admiralswürde vererbt sich auf seinen Enkel und Urenkel.

Der gelehrte Florentiner Amerigo Vespucci gibt nach mehreren Fahrten mit den Portugiesen nach Südamerika (die Küste von Venezuela durch den Spanier Hojeda entdeckt) Karten und Beschreibungen der neu entdeckten Länder heraus. Nach ihm, nicht durch ihn erhält der neue Erdteil den Namen Amerika.