§ 4. Italien.
Das Herzogtum Mailand ist seit 1556 (s. S. 234) ein Nebenland von Spanien, dem Namen nach deutsches Reichslehen. In Mantua herrscht seit 1328 das Haus Gonzaga; nach dessen Aussterben der Mantuanische Erbfolgekrieg 1628–1631. Richelieu zieht persönlich gegen die Kaiserlichen zu Felde und setzt die Ansprüche der französischen Nebenlinie Nevers auf das Herzogtum durch.
Glänzender Hof der Herzöge von Ferrara (S. 210). Nach dem Tode Alfons’ II. 1597 wird Ferrara als päpstliches Lehen mit dem Kirchenstaate vereinigt; Modena und Reggio verbleiben einer Nebenlinie des Hauses Este.
Parma und Piacenza früher zu Mailand gehörig, 1512 vom Papst Julius II. für den Kirchenstaat in Besitz genommen, bilden seit 1545 ein selbständiges Herzogtum im Besitz des Hauses Farnese bis 1731.
Venedig ist 1508 gefährdet durch die Liga von Cambrai (Papst Julius II., Kaiser Maximilian I., Ludwig XII., Ferdinand der Katholische); doch wendet sich der Krieg bald gegen Frankreich (S. 235). Während der folgenden Kriege ist Venedig meist mit Karl V. verbündet. Gegenüber dem Vordringen der Türken schließt es sich an Spanien an, muß aber trotz des mit den Spaniern gemeinsam erfochtenen Sieges bei Lepanto (S. 242) 1573 den Türken Cypern abtreten; es behält von seinem Inselbesitz nur Kandia und die Ionischen Inseln.
Genua macht sich 1529 unter dem Dogen Andrea Doria, welcher der Republik eine neue Verfassung gibt, frei von der französischen Schutzherrschaft (S. 235). Verschwörung desFiesco 1547. Giannettino Doria, der Neffe des Dogen, wird ermordet, Andrea Doria muß flüchten. Schon sind die Verschworenen im Besitz fast der ganzen Stadt, als Fiesco durch Zufall ertrinkt. Rückkehr des Dogen, Wiederherstellung der Verfassung.
Die Herzöge von Savoyen, welche auch Piemont besitzen (S. 210), sind unter den einheimischen Fürsten von Nord-Italien die mächtigsten. Doch verlieren sie 1536 das Waadtland an Bern und geraten während der Kriege Frankreichs mit Karl V. und Philipp II. in Bedrängnis. Nach dem Frieden von Cateau-Cambrésis (1559, S. 236) wird Emanuel Philibert in sein Herzogtum zurückgeführt.
In Florenz wird 1494 Pietro von Medici, Lorenzos Sohn, weil er mit dem erobernd vordringenden Karl VIII. von Frankreich (S. 209 f.) einen Vertrag geschlossen hatte, vertrieben. Haupt der demokratischen Partei der Dominikaner Savonarōla. Er bewirkt auf kurze Zeit eine Wendung zur Sittenstrenge, verfällt aber dem päpstlichen Bann und wird 1498 hingerichtet. Infolge des Sieges der Heiligen Liga (S. 235) werden 1512 die Medici wiedereingesetzt. Zweite Vertreibung 1527, die Republik auf kurze Zeit wiederhergestellt. Karl V. setzt 1531 Alessandro von Medici als erblichen Herzog ein. Dessen Nachfolger Cosimo vereinigt die Republik Siena mit seinem Gebiete und wird 1569 vom Papst Pius V. zum Großherzog von Toskana erhoben (bestätigt von Kaiser Rudolf II. 1576). Unter Cosimos II. Regierung lehrt in Florenz Galileo Galilei, der 1633 von der Inquisition in Rom gezwungen wird, das Kopernikanische Sonnensystem abzuschwören († 1642 in Arcetri bei Florenz).
Die Päpste dieser Zeit sind mit Erfolg bestrebt, den Kirchenstaat zu vergrößern und ihr geistliches Ansehen zu erhöhen.
1492–1502.