Heinrich IV. Die katholische Partei verweigert ihm die Anerkennung. Heinrich IV. siegt über Karl von Mayenne bei Ivry 1590, belagert aber vergeblich Paris, welches von Mayenne und dem Herzog von Parma (s. S. 243) entsetzt wird. Erst nachdem Heinrich in St.-Denis abermals seinen Übertritt zur katholischen Kirche erklärt hat, öffnet ihm Paris die Tore (1594). Darauf Aufhebung des päpstlichen Bannes, Friede mit Philipp II. von Spanien. Die Religionskriege werden beendet durch das

1598.

Edikt von Nantes, welches den Reformierten gleiche bürgerliche Rechte mit den Katholiken gibt, aber keineswegs vollständig freie Religionsübung. Es gestattet den reformierten Kultus den Edelleuten mit selbständiger Gerichtsbarkeit (seigneurs hauts justiciers) und den Bürgern in einer bestimmten Anzahl von Städten und Flecken, untersagt ihn aber in allen bischöflichen und erzbischöflichen Städten, am Hofe des Königs, in Paris, sowie im Umkreise von 5 Meilen um die Hauptstadt. Die Reformierten werden zu öffentlichen Ämtern zugelassen und behalten ihre Sicherheitsplätze. Das Edikt wird erst nach langer Weigerung von den Parlamenten (d. h. höchsten Gerichtshöfen) registriert.

Heinrichs IV. Minister, der Herzog von Sully, trifft Maßregeln zur Wiederherstellung des zerrütteten Wohlstandes und der Finanzen. Förderung des Ackerbaues und Gewerbes, des Seehandels; Kolonien in Kanada (Quebec 1608). Der König beabsichtigt, als Verbündeter der protestantischen Union in den Jülich-Cleveschen Erbstreit (S. 252) einzugreifen, wird aber von dem Fanatiker Franz Ravaillac in Paris ermordet. Sein Sohn

1610–1643.

Ludwig XIII., 9 Jahre alt. Regentschaft seiner Mutter Maria von Medici. Sully vom Amte entfernt; an die Spitze der Geschäfte tritt der Italiener Concini (Maréchal d’Ancre), nach dessen Ermordung 1617 der Herzog von Luynes, endlich der große Staatsmann Kardinal Richelieu (Armand-Jean du Plessis, geb. 1585 in Poitou, 1607 Bischof von Luçon, 1616 Staatssekretär, 1622 Kardinal, † 1642). Von 1624–1642 verwaltet Richelieu eigentlich allein das Reich; nur einmal (11. Nov, 1630, journée des dupes) glaubt Maria von Medici ihn gestürzt zu haben, doch beherrscht er von da an den König sicherer als je.

Richelieus Ziel ist die Erhebung Frankreichs zur ersten Macht Europas und die Begründung der Allgewalt des Königs. Er bricht die Macht des Adels, macht die Krone unabhängig von den Reichsständen, die nicht mehr berufen werden, besiegt die Hugenotten (Belagerung und Einnahme von La Rochelle 1628), welche fortan nicht mehr eine bewaffnete politische Partei, sondern eine geduldete Sekte sind. Unruhen, erregt von Gaston von Orléans, Bruder des Königs, enden mit dem vollständigen Siege Richelieus; die Königin-Mutter wird verbannt, Gaston entflieht nach Lothringen, versucht vergebens gewaltsame Rückkehr mit Hilfe des Herzogs von Montmorency, des Statthalters von Languedoc; dieser wird 1632 in Toulouse hingerichtet.

1633.

Das Herzogtum Lothringen (vgl. S. 206, 233) von französischen Truppen besetzt (bis 1659). Der Dreißigjährige Krieg bietet Gelegenheit, Frankreichs Macht auf Kosten Deutschlands zu erhöhen.

Richelieu legt den Grund zur Machtstellung Ludwigs XIV. Frankreich verdankt ihm die Segnungen einer geordneten Verwaltung und das Aufblühen seiner klassischen Literatur. Stiftung der französischen Akademie 1635, der maßgebenden Behörde in Sachen der Sprache und des Stils; Corneilles Cid 1636.