Auch in Schweden übertragen die Stände, der übermäßigen Gewalt des Reichsrats müde, 1682 dem großjährig gewordenen Könige Karl XI. eine fast unumschränkte Gewalt.
In Polen dagegen ist seit der Einführung der Wahlmonarchie 1572 (S. 250) die königliche Macht zum Schatten herabgesunken, der Staat ist tatsächlich eine Adelsrepublik. Der aus dem Senat (Bischöfe, Woiwoden, Kastellane) und den gewählten Landboten (Abgeordnete des Adels) bestehende Reichstag übt alle Gewalt aus. Das liberum veto, d. h. das Recht jedes einzelnen Mitgliedes, einen Reichstagsbeschluß durch seinen Einspruch ungültig zu machen, führt zu Bestechung, Gewalttat und schließlich fast zur Anarchie; nur selten kommt ein Beschluß zustande.
Nach Johann Kasimirs, des letzten der 3 katholischen Wasas Abdankung blutige Thronstreitigkeiten; dann regiert Johann Sobieski 1674–1696, der den kriegerischen Adel durch Feldzüge gegen die Türken (vgl. S. 266) an sich fesselt. Ihm folgt August II. von Sachsen 1697–1733; Friede mit den Türken zu Karlowitz.
Rußland unter dem Hause Romānow (1613–1762) wachsend an Macht und Ansehen. Michael Romānow (1613 bis 1645) kämpft zwar unglücklich gegen Polen, ordnet aber die innere Verwaltung. Sein Sohn Alexei (1645–1676) gewinnt die Länder am Dnjepr (Smolensk und Kiew) von Polen zurück, unterwirft Sibirien bis zum äußersten Osten und das Amurland (S. 250) und fängt an, europäische Kultur in Rußland zu verbreiten. Nach dem Tode seines ältesten Sohnes Feodor (1682) werden von den Strelitzen, der adligen Leibwache des Zaren, dessen beide Brüder Iwan und Peter unter Vormundschaft ihrer älteren Schwester Sophia zu Zaren ausgerufen. Peter in Preobraschensk (bei Moskau) mit militärischen Übungen beschäftigt; aus seinen Spielgefährten (Poteschnie) wird später die Garde des Heeres gebildet. Sophia, die ihn vom Thron ausschließen will, wird 1689 in ein Kloster geschickt.
1689–1725.
Peter der Große, regiert als Alleinherrscher, da der geistesschwache Bruder Iwan bis zu seinem Tode (1696) ohne jede Macht bleibt. Er ist der Gründer des russischen Staates.
Peter beginnt seine Reformen mit Hilfe des Schotten Gordon und des Genfers Lefort. Asow erobert 1696 (S. 266). Grausame Bestrafung eines Aufruhrs der Strelitzen. Darauf Reise des Zaren durch Deutschland über Königsberg und Berlin nach Holland, wo er in Zaandam als Schiffszimmermann arbeitet, dann nach England. Anwerbung ausländischer Handwerker, Künstler, Offiziere. Fortsetzung der Reise über Dresden nach Wien; im Begriff nach Venedig abzureisen, wird der Zar durch die Nachricht von einem abermaligen Aufruhr der Strelitzen zurückgerufen. Blutiges Strafgericht; das ganze Korps wird aufgelöst, das Heer nach europäischer Weise gebildet.
Nach Leforts Tode 1699 Menschikow Günstling und Minister des Zaren, bemüht um weitere Einführung der westeuropäischen Kultur in Rußland, doch auch habsüchtig und bestechlich. Peters Entschluß zu dem Kriege gegen Schweden (S. 274) wird entscheidend für Rußlands weiteren Aufschwung.
§ 4. England.
1649–1660.