Die Krim wird russische Provinz (Gouvernement Taurien); die christlichen Fürsten von Georgien und Mingrelien (südlich vom Kaukasus) treten unter russischen Schutz.

1787–1792.

Zweiter Türkenkrieg. Bündnis mit Österreich, Zusammenkunft Katharinas und Josephs II. in der neugegründeten Stadt Cherson am Dnjepr (1787). Potemkin erstürmt Oczakow 1788, Suwōrow erstürmt Ismail (am Donaudelta) 1790. Die Österreicher kämpfen anfangs unglücklich, doch erobert General Laudon 1789 Belgrad. Österreich schließt 1791 den Frieden von Sistowa mit den Türken und erhält wenig mehr als Alt-Orsowa (an der Donau, Paß des Eisernen Tores). Rußland erhält 1792 im Frieden zu Jassy das Küstenland am Schwarzen Meere bis zum Dnjestr. An dieser Küste wird 1793 die schnell aufblühende Handelsstadt Odessa gegründet.

1793.

Zweite Teilung Polens. Die Polen hatten den Türkenkrieg Rußlands und Österreichs und die anscheinend günstige Stimmung Preußens zu benutzen gesucht, um ihrer Abhängigkeit von den Nachbarstaaten und den anarchischen inneren Zuständen ein Ende zu machen. Bündnis mit Preußen 1790 (s. S. 291).

Die neue Verfassung von 1791 verwandelt 1. das Wahlreich in ein Erbreich, erklärt den Kurfürsten von Sachsen zum Nachfolger des Königs Stanislaus Poniatowski und den Thron für erblich im sächsischen Hause, überträgt 2. dem Könige und einem Staatsrate die ausübende, einem Reichsrate in zwei Kammern die gesetzgebende Gewalt unter Aufhebung des liberum veto, macht 3. dem Bürger- und Bauernstande einige Zugeständnisse, ermöglicht namentlich den Eintritt in den Adelsstand, dessen Privilegien im übrigen bestätigt werden.

Gegen diese Verfassung tritt unter dem Schutze Rußlands die Konföderation von Targowitz auf. Vordringen eines russischen Heeres in Polen 1791. Tapferer, aber vergeblicher Widerstand unter Fürst Poniatowski, dem Neffen des Königs, und Kosciuszko; beide werden bei Dubienka 1792 geschlagen. Der König tritt der Konföderation von Targowitz bei, die neue Verfassung wird aufgehoben. Preußen verständigt sich mit Rußland und sendet ebenfalls Truppen nach Polen. Auf dem Reichstage zu Grodno wird die Einwilligung der Nation zu den neuen Abtretungen erzwungen:

Rußland nimmt den noch übrigen Teil Litauens, Wolhynien und Podolien (236000 qkm), Preußen nimmt Danzig und Thorn, Posen und Kalisch (Südpreußen) (55000 qkm). Außerdem erzwingt Rußland einen Unionsvertrag, durch welchen es 1. freien Einmarsch seiner Truppen in Polen, 2. die Leitung aller künftigen Kriege, 3. das Bestätigungsrecht aller Verträge Polens mit auswärtigen Mächten erhält.

1794.

Aufstand in Polen, Kosciuszko an der Spitze. Die Russen unter Igelström in Warschau teils niedergemetzelt, teils zur Stadt hinausgeschlagen. Preußische und russische Truppen siegen über Kosciuszko bei Sczekozyn; die Preußen unter Friedrich Wilhelm II. nehmen Krakau, belagern Warschau vergeblich. Suwōrow siegt bei Brzesc und bei Macziejovice, wo Kosciuszko gefangen wird (1797 entlassen); erstürmt dann Praga, die Vorstadt von Warschau.