Für die inneren Verhältnisse Deutschlands wird der Friede zu Lunéville nach einem von Frankreich und Rußland festgesetzten Entschädigungsplan zur Ausführung gebracht durch den

1803. Febr.

Reichsdeputations-Hauptschluß zu Regensburg. Von geistlichen Ständen bleiben nur: 1. der bisherige Kurfürst von Mainz, von jetzt ab Kurerzkanzler und Fürst Primas (v. Dalberg), mit einem Gebiet, gebildet aus Überresten des Erzstifts Mainz auf dem rechten Rheinufer, dem Bistum Regensburg und den Städten Regensburg, Aschaffenburg und Wetzlar; 2. der Johanniter- und der Deutschordensmeister. Von den 52 freien Reichsstädten bestehen nur 6 fort, die 3 Hansestädte Lübeck, Hamburg, Bremen, ferner Frankfurt, Augsburg, Nürnberg. Alle übrigen geistlichen Gebiete und Reichsstädte werden zu Entschädigungen verwendet. Die Kurfürstentümer Trier und Köln gehen ein. Vier neue Kurfürstentümer: Hessen-Kassel, Baden, Württemberg, Salzburg.

Hauptsächlichste Entschädigungen: 1. Großherzog von Toskana: Salzburg und Berchtesgaden. 2. Herzog von Modĕna: Breisgau (wofür Österreich die Stifter Trient u. Brixen erhält). 3. Bayern: Bistümer Würzburg, Bamberg, Freising, Augsburg, Abteien und Reichsstädte in Franken und dem östlichen Schwaben. 4. Baden erhält den rechtsrheinischen Teil der Pfalz (Heidelberg, Mannheim) und der Bistümer Straßburg, Speier, Basel, Konstanz. 5. Württemberg: mehrere Klöster und Reichsstädte, besonders Reutlingen, Eßlingen, Heilbronn. 6. Preußen: die Bistümer Münster, Paderborn, Hildesheim, das mainzische Thüringen (Eichsfeld und Erfurt), mehrere Abteien, besonders Quedlinburg, und die Reichsstädte Mühlhausen, Nordhausen, Goslar. 7. Oldenburg: Bistum Lübeck. 8. Hannover: Bistum Osnabrück. 9. Wilhelm von Oranien, Sohn des Erbstatthalters von Holland: Stifter Fulda und Corvey. Im allgemeinen gewinnen die entschädigten Fürsten bedeutend an Gebiet und Untertanen, z.B. erhält Preußen 13000 qkm (240 □ Meilen), für 2600 qkm (48 □ Meilen); die übergroße Zahl der deutschen Kleinstaaten wird vermindert.

§ 3. Machtentfaltung des ersten französischen Kaiserreiches.

1803.

Neuer Bruch zwischen Frankreich und England. England gibt Malta nicht heraus, fordert die Entfernung französischer Truppen aus der Batavischen Republik und der Schweiz, auch Herausgabe von Piemont. Aufenthalt der bourbonischen Prinzen in London. Die Franzosen besetzen Hannover; das Lager bei Boulogne bedroht England mit einer Landung. William Pitt wiederum leitender Minister in England († 1806).

1804.

Verschwörung gegen das Leben des ersten Konsuls entdeckt. Pichegru erdrosselt im Gefängnis gefunden, George Cadoudal hingerichtet, Moreau verbannt, geht nach Amerika. Der Herzog von Enghien (bourbonischer Prinz von der Nebenlinie Condé) wird als an der Verschwörung beteiligt aus Ettenheim in Baden mit Gewalt entführt und auf Napoleons Befehl in Vincennes (bei Paris) erschossen. Tribunat und Senat beschließen die Umwandlung der Republik Frankreich in ein erbliches Kaiserreich; der Beschluß wird durch Volksabstimmung (mit über 3½ Mill. Stimmen) genehmigt.

1804. 2. Dez.