Frankreich Republik (Dritte Republik). Provisorische »Regierung der nationalen Verteidigung«: Trochu Präsident und Gouverneur von Paris, Favre Auswärtiges, Gambetta Inneres. Für den Krieg »bis aufs Äußerste« wird die ganze Nation zu den Waffen gerufen, die Flotten werden aus der Nordsee und Ostsee zurückgezogen. Die Kaiserin Eugenie flieht mit ihrem Sohn nach England.
Alle deutschen Truppen, welche bei Sedan gekämpft haben, marschieren gegen Paris und erreichen bis 19. Sept. die Einschließung (S. 387ff.).
B. Krieg gegen die republikanischen Heere.
In zahlreichen Festungen Frankreichs stehen noch kaiserliche Truppen, die sich aber den Geboten der Republik fügen. Nach dem Sturz des Kaisertums zunächst Friedensverhandlungen in Ferières zwischen Bismarck und Favre. Sie bleiben erfolglos, da Frankreich jede Gebietsabtretung verweigert. Thiers bereist die europäischen Höfe, findet aber keine Unterstützung (S. 382f.). Besonders aus England erhält Frankreich starke Zufuhr an Waffen und Munition.
Das Korps des Großherzogs von Mecklenburg (s. S. 378), bisher zum Schutz der deutschen Küste tätig, sichert die Eisenbahnverbindung nach Deutschland durch Einnahme der Festungen Toul und Soissons. Demselben Zwecke dient die nach und nach folgende Einnahme der Festungen Schlettstadt, Verdun (8. Nov.), Diedenhofen, Montmédy, Mézières u. a. Schwieriger Schutz der Etappenstraßen gegen Überfälle französischer Franctireurs. Das besetzte französische Gebiet wird in 4 General-Gouvernements eingeteilt.
27. Sept.
Übergabe von Straßburg nach längerer Belagerung (bei der die wertvolle Bibliothek zerstört wurde) durch preußische und badische Truppen unter Gen. v. Werder. Besatzung von 17000 Mann kriegsgefangen. Die preußische Garde-Landwehr zieht gegen Paris; mit der badischen Division und einigen preußischen Regimentern marschiert Gen. v. Werder durch den Wasgau nach Südwesten (Epinal — Vesoul — Dijon, S. 387ff.).
Gambetta, welcher Paris im Luftballon verlassen hat, übernimmt (9. Okt.) die Diktatur in Tours. Seinem Organisationstalent gelingt es, im Laufe der nächsten vier Monate etwa 800000 M. ins Feld zu stellen: aus Resten der alten Armee, Zuzügen aus Algier, Marinetruppen und durch Massenaufgebot. Es entstehen vier neue Heere; die Loire-Armee bei Orléans, die Westarmee bei Rouen, die Nordarmee bei Lille, die Ostarmee bei Besançon. Eroberung oder Rettung von Paris bleibt Hauptziel des Krieges.
1870. 27. Okt.
Übergabe von Metz (belagert seit 19. August). Nach mehreren vergeblichen Ausfällen ergibt sich Bazaine, durch Hunger gezwungen, mit seiner großen Armee; 6000 Offiziere, 187000 Mann kriegsgefangen, 622 Feld-, 876 Festungsgeschütze erbeutet.