1872–1875.
Verwaltungsreform in Preußen; Kreisordnung und Provinzialordnung. Die Kreise und Provinzen erhalten in mancher Hinsicht Selbstverwaltung; den Regierungsbehörden treten Kreistag und Kreisausschuß, Provinziallandtag und Provinzialausschuß zur Seite. Landgemeindeordnung s. S. 396.
1873.
Synodal-Ordnung für die evangelische Kirche in Preußen; 1874 Einführung der bürgerlichen Eheschließung und der Standesregister in Preußen, 1875 im ganzen Deutschen Reiche, 1876 General-Synodalordnung.
1874.
Reichs-Militärgesetz; die Friedenspräsenzstärke festgesetzt auf 401659 Mann, eingeteilt in 18 Armeekorps (14 preußische, 2 bayrische, l sächsisches, l württembergisches). In der Folgezeit wird die Zahl mehrmals erhöht, entsprechend der Zunahme der Bevölkerung; sie beträgt 1911 über 600000 Mann, eingeteilt in 23 Armeekorps (17, 3, 2, 1).
1874. Okt.
Begründung des Weltpostvereins. Auf Anregung der deutschen Reichspostverwaltung (Staatssekretär v. Stephan) einigen sich die europäischen und die meisten außereuropäischen Staaten auf einem Kongreß zu Bern über gemeinsame, dem Verkehr günstige Grundsätze der Postverwaltung.
1878.
Gesetz gegen die Ausschreitungen der Sozialdemokratie, veranlaßt durch zwei Mordversuche auf Kaiser Wilhelm I. der bei dem zweiten schwer verwundet wird. Verbot sozialdemokratischer Vereine und Zeitungen; Ausweisung der Parteiführer und ihrer Agenten aus den größeren Städten. Das Gesetz, zunächst für 2½ Jahre erlassen, dann verlängert, wird 1890 aufgehoben.