Russisch-türkischer Krieg.
Veranlassung: Die Fürsten Nikita von Montenegro und Milan von Serbien beginnen 1876 Krieg gegen die Türkei zur Unterstützung eines in der Herzegowina gegen die türkischen Grausamkeiten ausgebrochenen Aufstandes. Eine Erhebung der Bulgaren wird von den Türken blutig unterdrückt, die Serben werden an der Morawa zurückgeschlagen. Die Großmächte, namentlich Rußland und England, verhandeln mit der Türkei über Reformen der Regierung und Sicherung der christlichen Untertanen. Da die Verhandlungen erfolglos bleiben, erklärt Rußland den Krieg.
Nach Abschluß eines Vertrages mit Rumänien (Fürst Karl von Hohenzollern-Sigmaringen, s. S. 367) geht ein russisches Korps bei Galacz über die Donau und besetzt die Dobrudscha; das Hauptheer, bei welchem Kaiser Alexander II. sich befindet, erzwingt den
1877. 27. Juni.
Übergang über die Donau bei Sistowa. Während ein fliegendes Korps unter General Gurko schnell auf einem unbesetzten Nebenpaß den Balkan überschreitet und durch einen Angriff von Süden her (17.–19. Juli) die türkische Besatzung von dem wichtigen Schipka-Paß vertreibt, macht der eine Hauptteil des Heeres unter dem Großfürsten-Thronfolger Alexander Front nach Osten und verhindert in monatelangen, schweren Kämpfen an den Flüssen Jantra und Lom den von dorther zu befürchtenden Durchbruch eines türkischen Heeres.
Der andere Teil des russischen Heeres nimmt Nikopoli (15. Juli), wird aber vor Plewna (südwestlich von Nikopoli), wo Osman Pascha türkische Streitkräfte gesammelt hat und starke Befestigungen anlegt, blutig zurückgewiesen (20. und 30. Juli) und muß Verstärkungen abwarten.
Währenddessen bestürmt Suleiman Pascha von Süden her mit überlegener Macht, aber vergeblich (Hauptkämpfe am 23. Aug. und 17. Sept.) den Schipka-Paß. Er erhält dann den Oberbefehl über die türkische Ost-Armee am Lom, kann aber Plewna nicht entsetzen.
Eintreffen der Truppen Rumäniens und russischer Verstärkungen vor Plewna. Nach dem Mißlingen eines neuen Gewaltangriffs (7.–12. Sept.) wird zur regelmäßigen Belagerung (Gen. Totleben) geschritten und
10. Dez.
Plewna genommen durch General Skobeleff. Osman Pascha muß sich nach einem vergeblichen Durchbruchsversuch mit 44000 Mann ergeben. Rückkehr der Rumänen in ihr Land, des Kaisers Alexander II. nach Petersburg. Serbien erklärt von neuem den Krieg an die Pforte.