1910.

Weltausstellung in Brüssel, zum Teil durch Feuer zerstört.

In Dänemark unter Christian IX. (1863–1906) lange Zeit Zwiespalt zwischen Regierung und Volksvertretung, besonders wegen der Befestigung von Kopenhagen, 1901 beigelegt durch Nachgeben des Königs. Kopenhagen befestigt. Herstellung freundlicher Beziehungen zu Deutschland seit dem Tode der Königin Luise 1898 (S. 362). König Friedrich VIII. seit 1906, vermählt mit Luise von Schweden. Befestigung der Verbindung mit den auswärtigen Besitzungen. 1904 neue Verfassung für Island. Reise des Königs Friedrich VIII. nach Island. Eifrige Pflege der Handels- und Verkehrsbeziehungen. 1903 Dampffähre für Eisenbahnzüge zwischen Warnemünde und Gjedser eröffnet. (Direkte Dampferlinie Kopenhagen-Bangkok.) Entsendung des Prinzen Waldemar zur Krönung des Königs von Siam 1911.

Schweden, 1872–1907 unter Oskar II., Bruder Karls XV. (S. 363), kann die seit 1814 bestehende Personalunion mit Norwegen nicht behaupten. Norwegen sagt sich 1905 los. Prinz Karl von Dänemark, Sohn Friedrichs VIII., Großneffe Oskars II., nennt sich als König von Norwegen Hakon VII. (s. S. 215). Seine Gemahlin Maud, Tochter Eduards VII. von England. In Schweden seit 1907 Gustav V., Gemahlin Viktoria von Baden. 1909 Dampffähre zwischen Trelleborg und Saßnitz (Rügen) eröffnet.

In der Schweiz 1874 Änderung der Bundesverfassung; für neue Gesetze wird der Bundesversammlung (S. 354) die Entscheidung entzogen und Volksabstimmung (Referendum) vorgeschrieben, wenn 8 Kantone oder 30000 Bürger sie verlangen. Ein Gesetz über Kranken- und Unfallversicherung wird 1900 durch Volksabstimmung verworfen, 1912 angenommen.

1905 Internationale Arbeiterschutz-Konferenz in Bern. Durchstich des Simplon 1906 vollendet, neue Eisenbahnverbindung mit Italien, für Frankreich erwünscht seit der Eröffnung der St. Gotthardbahn 1882. Bundespräsident ist seit 1903 Dr. Deucher.

§ 15. Italien.

Italien, seit 1861 einheitliches Königreich unter Viktor Emanuel II. (S. 370, 379, 381).

Dem Papste ist durch das Garantiegesetz von 1870 der Besitz der Peterskirche, des Vatikan- und des Lateranpalastes, dazu ein Jahreseinkommen von über 3 Mill. Francs gesichert; aber der Anspruch auf Herstellung des Kirchenstaats wird von päpstlicher Seite nicht aufgegeben. Aufhebung vieler Klöster, doch bleiben die Ordensgenerale und die geistlichen Seminare in Rom unter dem Schutz des Papstes.

Unter König Humbert (1878–1900) schließt der Minister Robilant 1887 den Dreibund (S. 395), den der Ministerpräsident Crispi, mit Bismarck persönlich befreundet, aufrecht erhält. Sorge für Besserung der Finanzen, Ausbau der Eisenbahnen, Anbau der römischen Campagna, Ausgrabungen und Neubauten in Rom. Der König wird 1900 (Juli) von einem Anarchisten in Monza ermordet.