Gründung s. S. 395. Zweck: Gewinnung von Rohprodukten; Absatzgebiete für den heimischen Handel und Besiedelung. Das Reich stellte auf Nachsuchen die kaufmännischen Niederlassungen unter seinen Schutz, zur Sicherung gegen fremde Herrschaft (Deutsche Schutzgebiete). Die Kolonisation begann an den Küsten und dehnte sich allmählich in das Innere aus; hierfür von größtem Einfluß die Erschließung durch Eisenbahnen und die Wasserversorgung. Sicherung durch Schutzverträge mit den einheimischen Häuptlingen mit Handelsvorteilen, namentlich für europäische Waren. Verwaltung durch Gouverneure mit Bezirksämtern und Stationen; militärische Sicherung durch die Schutztruppen.

Erweiterung der Kolonien (S. 396, 397, 405). Der deutsche Kolonialbesitz ist jetzt über fünfmal größer als das Heimatsgebiet, hat aber kaum ein Viertel der Einwohnerzahl. Am Handelsergebnis der Kolonien (Einfuhr und Ausfuhr) war Deutschland 1910 mit 66,3 v. H. beteiligt. Regelmäßige Seeverbindung durch Hamburg-Amerika- und Woermann-Linie nach der afrikanischen Westküste, Norddeutschen Lloyd (Bremen) und Reichspostdampfer nach Ostafrika, Australien und Ostasien. Telegraphische Verbindung fehlt noch nach den Besitzungen in der Südsee; deutsche Seekabelverbindung schreitet kräftig fort, ist aber nur nach Ostasien von fremden Leitungen unabhängig; besonders nach Ostafrika sind englische Kabel beteiligt. Funkenstationen in allen afrikanischen Kolonien und in Kiautschou.

Deutsche Kolonialgesellschaft in Berlin (Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg), Kolonialinstitut in Hamburg und mehrere Kolonialschulen.

1. Südwestafrika (835100 qkm). Missionsstationen bestanden seit 1860 im Damara- und Namaqualande; das Küstengebiet Angra Pequena wurde 1883 von dem Bremer Kaufmann Lüderitz erworben; 1884 Erweiterung durch Verträge mit den einheimischen Häuptlingen; 1893 der Hafen Swakopmund angelegt.

1894.

Gouverneur Leutwein geht mit der verstärkten Schutztruppe gegen unzuverlässige Häuptlinge vor. Nach den Gefechten bei Naukluft verbündet sich Hendrik Witboi mit den Deutschen und leistet Hilfe bei ferneren Kämpfen, so noch 1903 gegen die Bondelzwarts-Hottentotten.

1904–1906.

Allgemeiner Aufstand gegen die auf weites Gebiet verteilte Schutztruppe. Die Hereros zerstören die Eisenbahn Swakopmund–Windhuk und ermorden viele Ansiedler. Mühsame Kriegführung in dem wasserarmen, vielfach gebirgigen Lande. Die Schutztruppe verteidigt Omaruru und andere Stationen, wird unterstützt durch ein Landungskorps vom Kreuzer Habicht, dann durch das Seebataillon; bald erscheint eine kriegsstarke Division, gebildet aus Freiwilligen des ganzen deutschen Heeres.

1904. 11. u. 12. Aug.

Sieg des Generals v. Trotha am Waterberge; er drängt die Hereros nach Osten in die Kalahariwüste, wo viele umkommen. Darauf allmähliche Unterwerfung des nördlichen Landesteils, aber im Süden erhebt sich nun Witboi gegen die Deutschen.