Höhere Kultur entwickelt sich zuerst bei den Etruskern oder Tyrrhenern (etrusk. Rasenna), die in Etrurien und in der mittleren Po-Ebene wohnen, unter phönikischem Einfluß (s. S. 13). Sie gründen Städte und stehen seit etwa 750 v. Chr. in lebhaftem Handelsverkehr mit Karthagern und Griechen. In den Gräbern (Gewölbebauten) bei Tarquinii, Caere, Clusium, Bononia (jetzt Bologna) haben sich bedeutende Reste ihrer Kultur erhalten: Wandmalereien, Goldschmuck, Waffen, Tongefäße. Sie dringen um 600 v. Chr. erobernd vor nach Latium und Campanien, werden aber gehemmt durch die selbständige Entwickelung Roms und verlieren seit 438 Campanien an die vordringenden Sabeller. In die Po-Ebene dringen um diese Zeit keltische Stämme von Norden her ein; nach ihnen heißt dieses Land fortan Gallia cisalpina.

In Latium bestand in alter Zeit ein Bund von 30 Gemeinden mit jährlichem Bundesfest auf dem Albanerberge zu Ehren des höchsten Gottes Juppiter; Vorort war Alba longa, auf halber Höhe des Berges gelegen. Rom, als Grenzplatz gegen die Etrusker gegründet, verstärkt durch Aufnahme von Sabinern, erhebt sich zur herrschenden Stadt. An der Spitze der Latiner unterwirft es die andern Völker Italiens nach und nach und wird dann Mittelpunkt eines Weltreiches. Die ältere Geschichte Roms ist in der Überlieferung sagenhaft ausgeschmückt.

§ 1. Zeit der Königsherrschaft. (753–510.)

Gründungssage: König Numĭtor von Alba longa, Nachkomme des mit trojanischen Flüchtlingen in Latium gelandeten Aenēas, wird von seinem Bruder Amulĭus des Thrones beraubt, sein Sohn getötet, seine Tochter Rea Silvia, damit das Geschlecht des Numĭtor aussterbe, unter die vestalischen Jungfrauen aufgenommen. Die Zwillinge Romŭlus und Remus, Söhne der Rea Silvia und des Kriegsgottes Mars, befiehlt Amulĭus in den über die Ufer getretenen Tiber zu werfen. Die Kinder werden gerettet, von einer Wölfin gesäugt und von dem königlichen Hirten Faustŭlus auferzogen. Zu Jünglingen herangewachsen, machen Romulus und Remus an der Spitze anderer Hirten Jagd- und Beutezüge. Remus wird gefangen und vor Numitor geführt, dieser erkennt seine Enkel. Sie töten den Amulius, setzen Numitor wieder als König ein und gründen mit seiner Erlaubnis an der Stelle des Tiberufers, wo sie einst ausgesetzt wurden, eine Stadt. Bei dem Streit darüber, wer sie nach seinem Namen nennen und beherrschen soll, wird Remus getötet; Romulus, alleiniger König, gründet die Stadt Roma auf dem Hügel Palatinus. Als Gründungstag galt seit Varro (1 Jahrh. vor Chr.) der 21. April (Fest der Hirtengöttin Pales) des Jahres 753 v. Chr.

Romulus, kriegerischer König, nimmt Flüchtlinge aus anderen Städten auf (Asyl auf dem Mons Capitolinus), erwählt einen Senat von 100 Mitgliedern. Raub der Sabinerinnen beim Fest der Consualia; deshalb Krieg mit den Nachbarstädten Caenina, Antemnae, Crustumerium (Romulus gewinnt die ersten spolia opima) und mit den Sabinern, deren König Titus Tatius sich durch den Verrat der Tarpeia des Burgfelsens bemächtigt. Die Schlacht zwischen Römern und Sabinern wird durch die geraubten Sabinerinnen unterbrochen. Vereinigung der Römer und Sabiner zu einem Staate unter gemeinschaftlicher Regierung des Romulus und Tatius bis zu des letzteren Tode. Romulus führt Kriege gegen die Etruskerstädte Fidenae und Veii. Er wird während eines Gewitters zu den Göttern entrückt und fortan als Gott Quirīnus verehrt.

Numa Pompilius, aus Cures, nach einjährigem Interregnum von den Römern aus den Sabinern erwählt. Friedlicher König, Ordner des römischen Gottesdienstes, nach dem Rat der Camene Egerĭa, seiner Gemahlin. Janustempel, ein in Kriegszeiten geöffnetes Tor zwischen den beiden Ansiedelungen auf dem Palatinus und Quirinalis, am Fuße der gemeinschaftlichen Burg auf dem Capitol. Einsetzung der Pontifices, Augŭres, Flamĭnes, Salii, Fetiales, virgines Vestales.

Tullus Hostilius, kriegerischer König. Krieg mit Veii und Fidenae, Verrat des Diktators von Alba, Mettius Fuffetius, der von Pferden gevierteilt wird. Alba longa zerstört (Horatier und Curiatier), die Bewohner siedeln nach Rom über.

Ancus Marcius, Enkel des Numa, zugleich friedlicher und kriegerischer König (»et Numae et Romuli memor«). Er stellt die von seinem Vorgänger vernachlässigten gottesdienstlichen Ordnungen wieder her und verpflanzt die Einwohner kleiner latinischer Ortschaften nach Rom, gilt deshalb als Begründer der Plebs (S. 74). Befestigung des Ianiculum, Bau der Pfahlbrücke (pons sublicius) über den Tiber. Gründung der Hafenstadt Ostĭa.

Tarquinius Priscus, aus der etruskischen Stadt Tarquinii mit seiner Gemahlin Tanaquil nach Rom eingewandert (ihm wird griechische Abstammung von dem Bakchiaden Demaratus aus Korinth zugeschrieben), wird Vormund der Söhne des Ancus und zum römischen Könige gewählt. Er beginnt den Bau des Juppitertempels auf dem Kapitol, der Kloaken (Abzugsgräben für die Niederungen zwischen den Hügeln der Stadt) der Stadtmauer und des Circus maximus. Der Senat wird auf 300 Mitglieder gebracht (patres minorum gentium). Verdoppelung der Zahl der Ritter; der Augur Attus Navius widersetzt sich der Bildung neuer Rittercenturien. Kriege gegen Sabiner und Latiner. Nach Ermordung des Tarquinius durch die Söhne des Ancus wird durch die List der Tanaquil König

Servius Tullius, Sohn der Sklavin Ocrisia und eines Gottes, von Tanaquil infolge eines Wunderzeichens königlich erzogen, Schwiegersohn des Tarquinius. Krieg gegen Veii, Aufnahme Roms in den latinischen Bund. Bau der Ringmauer um die 7 Hügel der Stadt (Palatinus, Capitolinus, Aventinus, Caelius, Esquilinus, Viminalis, Quirinalis), Einrichtung des Census und der Centurieneinteilung (s. S. 74). Servius Tullius wird ermordet von seinem Schwiegersohn