»Mein Geheimniß.«

»Ich bescheide mich. Wenn Sie jedoch an der Bereitwilligkeit des jungen Herrn zweifeln sollten, so bürge ich Ihnen, diesem Brief zufolge, dafür. Aus diesen Zeilen spricht viel Hingebung. Ich bin überzeugt — Ihnen zu Gefallen — würde er sich den Pfeilen einer amerikanischen Horde mit so vielem Muthe aussetzen, als der heilige Sebastian es that, um den Himmel zu gewinnen.«

»Welch' ein Gleichniß! Madame: Ihre Scherze sind stumpfe Pfeile.«

»Eine Braut findet Alles langweilig. Uebrigens, meine gute Dame, werde ich wohl meinen armen Sebastian und die wunderschöne verlassene Pulcheria nimmer zu sehen bekommen? Finden Sie Geschmack daran, meine Bilder zu behalten?«

»Warum nicht gar?« versetzte Justine ein bischen verlegen: »ich muß gestehen, daß ich das Medaillon gänzlich vergessen habe.«

»Geben Sie es mir zurück.«

Justine suchte verlegen in den Taschen. »Ich habe den Schlüssel zu meinem Schranke verlegt. Ich werde ihn holen.«

Die Lainez lächelte. »Recht, meine Liebe,« sagte sie: »bringen Sie nur zugleich das Bild mit. Ich will Ihnen sagen, wo es sich befindet. Sie haben es zwischen Myrthen aufgestellt, und ihm ein liebliches Tempelchen hergerichtet; traulich, ungestört, denn Mama und Papa lieben die Blumen nicht sonderlich, und der Wärterin dieser Sommertöchter ist es unverwehrt, dort im sichern Versteck ihren stillen Gottesdienst zu halten.«

»Abscheulich!« rief Justine: »bin ich eine Götzendienerin? Auf der Stelle sollen Sie das Bild haben, das ich in der That an jenem Platze vergessen habe.« — Sie eilte rasch davon, und brachte, etwas verdrießlich und gereizt das Medaillon.

»Hier, Madame, haben Sie Ihr Pfand zurück.«