Die Lainez nahm es gleichmüthig, und ging damit zu einem Kästchen, das ihre Papiere, und einige aus dem Sturme ihrer Verhältnisse gerettete Angedenken einer bessern Zeit enthielt, und öffnete es. Während sie ein Futteral hervorholte, in welches sie das Medaillon verschloß, und dasselbe in die Chatouille niederlegte, sagte sie scherzend: »Es ist gleichwohl besser gewesen, daß dieses Bild unter jenen Myrthensträuchern und nicht an Ihrem Busen vergessen wurde, Mademoiselle.«

»Wie so?«

»Hm! es soll eine Eigenschaft besitzen, die ...«

»Und welche?«

»Die alle diejenigen, welche das Bild tragen, zwingt, katholisch zu werden, oder es zu bleiben.«

»Welche Posse!«

»In der Kapsel liegt eine Reliquie des heiligen Kreuzes. Diese mag das Wunder wohl bewerkstelligen. Aber die Wirkung soll unläugbar sein. Darum wird es,« setzte die Lainez ernsthafter hinzu, »besser sein, wenn ich das Zauberbild nicht mehr am Halse trage. Es möchte sonst aus meiner Bekehrung zu Liebkirchen nichts werden.«

»Sie sprechen etwas leichtfertig von der Wohlthat, wozu ich Ihnen verhelfen will, meine Schutzbefohlene. Um Sie von dem Aberglauben, wovon Sie sprachen, zu heilen, wollte ich wohl dieses Bild auf meiner Brust tragen, so lange Sie es begehren, ohne von dem thörichten Schwindel ergriffen zu werden, dessen Sie erwähnten.«

»Es käme auf die Probe an,« sagte die Lainez leichtsinnig: »hier ist das Bild;« sie nahm es aus dem Kästchen: sammt der geweihten Kapsel. »Getrauen Sie sich, das übermüthige Wort zu bewähren?«

»Geben Sie her!« erwiderte Justine eben so leichtsinnig und trotzig: »ich verspreche Ihnen sogar, nicht einmal die Kapsel zu öffnen, und die Wunderkraft der Reliquie, wie die Neugierde zumal zu besiegen: ein doppelter Triumph, der Sie von meiner Ausdauer überzeugen soll!«