»Ich ... ich darf nicht ...«
Birsher heftete einen starren verdüsterten Blick auf Justine. Sie gewahrte es; aber — wie ein Blitz fuhr's durch ihr Herz: dem strengen Protestanten durfte sie, selbst im Scherze, das katholische Heiligenbild auf ihrer Brust nicht zeigen. Sie sträubte sich entschieden gegen sein Verlangen, es zu sehen. Er begehrte es freundlich, dann ernstlicher, dann mit kalter Bestimmtheit. »Nimmermehr!« rief sie: »Monsieur trauen mir zu, daß sich nichts Böses in diesem Medaillon befindet; aber ich bestehe nun einmal auf meinem Geheimniß!«
Mit diesen Worten reißt sie das Band von ihrem Halse, um es in ihrer Tasche zu verbergen. Das Medaillon fällt von dem Bande, stürzt zu Boden. Die Kapsel springt. Justinens unsichere Hand erfaßt diese. Georg rafft das Bild auf, betrachtet es, ehe Justine es verhindern kann, mit bitterm Lachen und giebt es dann der Trägerin zurück. »Ich gratulire zu dem geliebtern Freunde!« sagte er, und Justine glaubt vor Scham und Bestürzung in die Erde zu sinken: das Bild ist James in der vollen Blüthe seiner Jugend: sprechend ähnlich; herrlich gemalt. Sie verstummt, das ungeheure Mißgeschick nicht begreifend. Der Amerikaner sagt aber mit zitterndem Tone zu ihr: »So ist es denn wahr, Jungfer Justine? ich war der Betrogene? sollte der Betrogene bleiben? Armes Geschöpf! ich bemitleide Sie!«
Ohne noch ein Wort hinzuzufügen, verließ er Justine, die — ebenfalls ohne ein Wort der Entschuldigung beizusetzen, ihm sprachlos und beklommen nachstarrte. Indem er eilig und außer sich dahin schoß, begegnete ihm — zu seinem Entsetzen — der Mensch, den er gestern gesehen, den das Bild vorstellte.
»Sind Sie ein Engländer?« fragte er hastig, den Jüngling bei der Brust fassend.
»Ja, Herr.«
»Heißen James?«
»James White.«
»Sie lieben meine Braut, Justine Müssinger?«
»Mein Gott! was soll das heißen? woher wissen Sie?«