»Was Gott will!« antwortete der Superior hart und rauh: »packe Er sich fort, und besorge Er den Wagen!« — Litzach gehorchte, fast weinend. —
»Laufe Sie, Lainez!« sagte der Superior dringend zu dieser: »ein Weibsbild mengt sich ohne Gefahr unter Gaffer und Pöbel! Horche, laufe Sie. Wenn etwas Ungerades sich verspüren läßt, ... schnelle Post hieher!« —
Die Lainez eilte weg. »Pater Münzner!« fuhr der Superior fort: »unsers Bleibens ist in diesem Hause nicht. Der Doctor Leupold wird bald aufgesucht werden! Schändlicher Baalstreich! Wir flüchten uns einstweilen in des Senators Haus, wo man uns sicherlich nicht sucht.«
»Ich Unglücklicher!« rief Münzner, wie in Verzweiflung; »daß dieses Unglück unter meiner Verwaltung geschehen mußte! Welch ein Empfang wartet meiner in unserm Hause und beim Provinzial!«
»Erkennen Sie, ob ich Ihr Freund bin!« erwiderte der Superior, indem er ihm den Brief reichte, den er vorhin gelesen; »ich will Sie der Traufe entziehen, weil Sie mir ein wohlgefälliger Mitbruder gewesen. Der Provinzial trägt mir auf, ein tüchtiges Mitglied nach Assumption im Paraguay zu schicken, um den Handelsangelegenheiten vorzustehen. Ihre Mission allhier ist leider nun erledigt; verbergen Sie Ihre Scham in Amerika, bis der General Sie zur Rechenschaft rufen läßt. Es verfließen indessen Jahre, die Sache schlummert ein, und ein simpler Verweis tritt an die Stelle der harten Pönitenz.«
Der Doctor nahm mechanisch die Commission, ohne ein Wort zu erwidern. Der Superior sowohl, als die Hauswirthin, die ängstlich herbeikam, drangen in ihn, sich in Sicherheit zu setzen. Kaum, daß ihm die Zeit verblieb, seinen James zu umarmen. »Ich gehe nach Paraguay!« sagte er weinend zu ihm; »das Schicksal macht hier ein schnelles Ende mit uns. Wir sehen uns vielleicht nie wieder. Folge darum dem ehrwürdigen Pater Superior, der dein Glück will! Vergiß, armer Getäuschter, und zürne mir nicht!« —
Der Jüngling war von dem Augenblicke zu sehr erschüttert, um auf die Rede seines Pflegevaters merken zu können. Der Superior riß den Doctor unwillig mit sich fort, und ermahnte den jungen Engländer im Novizenmeisterton, seine Packarbeit zu fördern, die Effekten vor das Friederthor zu schaffen, und bei dem Wagen seiner zu warten, um mit ihm sich zu entfernen. Hierauf schlugen die geistlichen Herren, die Hüte tief in die Stirne gedrückt und herabgekrempt, den Weg nach Müssingers Wohnung ein. Ein heftig niederstürzender Regen begünstigte ihre schnelle Wanderung. Die Kirchenglocken riefen von allen Seiten die Gläubigen zum Gottesdienste, und leerten die Straßen. Ohne Aufenthalt waren die Väter an des Senators Thüre gekommen. Sie war verschlossen.
»Der Senator ist in der Kirche!« sagte der Superior, sich besinnend. »Wir erlaubten ihm ja gestern, als wir die Register brachten, das Possenspiel mitzumachen, um seinen Leumund wieder zu heben.«
»Ich habe glücklicher Weise den Schlüssel zu der Hinterthüre in der Tasche,« versetzte der Doctor; »er gab mir ihn, um unbemerkt zu kommen, wann ich wollte; es ist sonderbar, daß es heute zum ersten und letzten Male sein muß.«
Sie traten in das Gäßchen; der Schlüssel paßte, und die Herren stellten sich unter das Gewölbe des Hauses, um zu berathschlagen, ob der Senator zu erwarten, oder vielmehr rathsam sei, daß der Superior oder der Doctor zuerst sich auf die Flucht mache. —