»Ich bin kein Rebell,« antwortete der verblüffte Pfarrer: »aber was Sie verlangen, ist nicht meines Amts.«
»Sie kommandiren Ihre Milizen als Oberst,« lachte der Consultador; »Sie verstehen es aber nicht, einen Menschen zur Haft bringen zu lassen! Sennor Corregidor! Sorgt Ihr, daß dieses Mädchen sowohl, als der junge Mensch getrennt in ein sicher verwahrtes Haus gebracht werden, bis zu meiner Rückkehr.«
»Ruhig! du machst dich unglücklich, und mich noch elender, als ich bin!« sprach Münzner begütigend zu dem auflodernden James, der mit den Worten: »auch Sie mein Vater?« die Hände sinken, Alles mit sich beginnen ließ.
Regidor und Alcade versuchten, den Befehlen des strengen Aculcho einige Milderung abzugewinnen, aber er faßte ihre schwächste Seite, indem er sagte: »Ihr seid excommunicirt, wenn Ihr länger widerstrebt! Der junge Mann ist ein unserm Hause Entsprungener, das Mädchen eine Ketzerin. Beide gehören vor unser Gericht, und der Generalcapitän zu Buenos-Ayres mit all' seinen Schergen hat ihr Schicksal nicht zu schlichten.«
Das Wort »Ketzerin« machte die guten Leute, die um Justine beschäftigt waren, zurücktreten. Auch Ines entfernte sich, schüchtern ein Kreuz schlagend. James lachte bitter, und folgte finster schweigend dem Alcaden, der ihn fortführte.
Der Regidor bedeutete Justinen, ihm ohne Widerrede zu folgen. Durch den Schleier ihrer Thränen emporsehend, fragte sie erschöpft: »wohin führt Ihr mich?« — Da aber der Regidor ihr nicht antworten konnte, und keiner derjenigen, die ihre Frage verstanden, antworten wollte, so folgte sie ihrem Führer wie ein Lamm mit den Worten: »gleichviel, wohin es geht. Nur aus dem Bereiche dieser Menschen, deren Blicke mich vergiften!« —
»Sie, Pater Xaver,« sprach der Consultador, »geben mir Ihr Priesterwort, sich nur, um nach Cordova und von dannen nach Europa zu gehen, aus der Doctrine zu entfernen, und Ihrem Zögling auf keinerlei Weise zum Entweichen behülflich sein zu wollen!« —
Nach einigem Bedenken gab Münzner das Wort. »Das Erste mit Freuden,« sagte er: »ich hoffe, in einigen Tagen bereit zu sein, mit dem ersten Waarenkahn abzureisen. Das Zweite verspreche ich mit Leid; aber überzeugt, daß meine Hülfe meinen guten Sohn nur in größeres Unheil stürzen würde. Wenn übrigens die Bitte eines Mitbruders für Sie von einigem Gewicht wäre, so ersuchte ich Sie, die Tochter des verunglückten Müssinger gnädig und milde zu behandeln. Wir haben viel an ihrem Vater und Ihr verschuldet, meine Väter, was erst in der Folge klar werden dürfte. Mich, der ich das arme Werkzeug sein mußte, bald mit wohlwollendem, bald mit blutendem Herzen, ... mich ereilt jetzt das Schicksal; denn mein Loos in Europa wird ein hartes sein. Erschweren Sie es nicht, meine Freunde in Christo, durch die Leiden der unglücklichen Justine!«
Die fremden Jesuiten sprachen hierauf kein Wort, und nannten den Fortgehenden verächtlich einen Träumer, dessen Zukunft hart, aber nicht ungerecht sein könne. Zugleich wurde die Lainez, von deren bisherigem Wirken man, durch die, fast gleichzeitig mit ihr angekommenen Berichte, genau unterrichtet schien, aufgefordert, bei Justine ihr Heil zu versuchen, und nichts zu versäumen, um diese auf den Weg des Heils zu führen. —