Der Befehl erschütterte den Pater Xaver auf's Aeußerste. Eine grimmige Verachtung gegen den hartherzigen Gebieter war sein erstes Gefühl; Ehre, Furcht vor den beschworenen Statuten seines Ordens, das darauf folgende. Einen bittern Kampf aushaltend zwischen dem Vortheil der Freunde und dem gelobten Gehorsam, erblaßte er bei dem Siege des Letztern. Was ihn aufrecht erhielt, war die Betrachtung, daß ja ohnehin die Colonie bereits in den Händen der Bedränger sei, und daß seine Aussagen nur versöhnend, nicht verschlimmernd wirken konnten.

»Die Kundschafter, von denen Sie sprachen, mein Vater, haben Ihnen bereits entdeckt?«

Der Pater Assistent nickte gespannten Blicks mit dem Haupte.

»So bin ich bereit, Ihnen der pflichtschuldigen Gehorsam und Demuth zufolge, nicht länger das Wenige zu verhalten, was ich weiß.«

Der Verhörende begann seine Fragen: »Sie begriffen so gut als Alles: die Lage, die Einwohnerzahl, die Regierungs- und Religionsform, die militärische Stärke, die Produkte der Colonie zum guten Jesus.« Münzner wurde von einer Frage zur Andern gezogen, mit dem subtilen Scharfsinn, der schon zum Voraus aus den funkelnden Augen des Assistenten sprach. Der Jesuit notirte sich Namen und Zahlen in dem Taschenbuche, und drang darauf, den Weg nach der versteckten Gemeinde deutlich angegeben zu wissen. Als nun Münzner mit der Behauptung der eigenen Unwissenheit hervortrat, und der Assistent immer dringender, immer härter wurde, so entschlüpfte dem staunenden Pater, nachdem er ungefähr die Himmelsgegend angegeben, nach welcher der »gute Jesus« lag, die Frage: »Aber wie ist es möglich, mein Vater, daß die gefangenen Emissarien Franzisco's, — als Eingeborene des Thals — Ihnen nicht die genaueste Auskunft gegeben haben sollen?«

Der Pater Assistent antwortete nicht, aber wohl stürmte der Brigadier zornroth in das Gemach. — »Sehen Sie die Folgen Ihrer Langmuth, mein Vater?« rief er wie wüthend: »Hätten Sie doch zugegeben, daß meine Soldaten die Hunde von Topinambou's, von elenden Indianern, mit brennenden Lunten zum Geständniß peinigten! Nun erfahren wir von den verdammten Spionen Franzisco's keine Silbe mehr. Sie haben sich in ihrem Loche mit der Zunge erstickt, und spotten unsrer, kalt und steif, wie sie sind!«

»Richtig, Ihro Excellenz,« versetzte der Assistent lächelnd und kaltblütig; »die Bursche haben ihren Lohn dafür, und, wenn sie selbst schweigen, so redete doch der gute Pater hier um so mehr!«

Triumphirend wies er dem Brigadier die Schreibtafel hin. Dieser riß die Thüre auf, und rief hinaus: »In Ordnung, Soldaten! Die Sache hat sich gewendet! Wir ziehen nicht ab!« — Münzner, die Bosheit seiner Handlungsweise durchschauend, sank auf die Bank, und verhüllte sein Gesicht. »Sie haben mich bitter getäuscht!« sagte er: »Ich bin nun der einzige Verräther. Jene Wilden, die für ihren und ihrer Freunde Heerd starben, sind Heilige geworden!«

»Ihr blasphemirt!« rief ihm der Pater Assistent zu: »Eurer schwachherzigen Tücke setzte ich erlaubte List entgegen. Simson gebrauchte sie auch gegen die boshaften Philister. Ihr habt die Gesellschaft und den Heiland durch Euer Benehmen beleidigt. Ihr lebtet im Einverständniß mit dem Rebellen im Thale, mit den Unterthanen des Franziskaners! Ich wittre eine schwere Schuld in Euerm Leben. Ich werde dafür sorgen, daß Ihr plötzlich nach St. Sebastian gebracht werdet, um in unserm Hause abzuwarten, was über Euch beschlossen werden dürfte. Mindestens ist's unsre Pflicht, solch heuchelnd Unkraut wieder nach Europa zurückzuwerfen, woher es uns gekommen.« —