»Wichtigkeitskrämer!« lächelte Berndt ungläubig: »Du spreizest dich so absonderlich, daß — wer nicht wüßte, welch' ein Windbeutel du bist, — glauben sollte, du errathest auf's Haar, was unser Herr denkt und beschließt. Glück auf, zu dem Vertrauen, Herr Geheimhorcher! empfehle mich zu Gnaden!«

»Ei, des breitmäuligen Augenverdrehers!« schalt Nothhaft verächtlich: »wir wollen sehen, wer am Ende hier im Sattel bleibt. Du bist ein Esel, sonst hättest du schon gemerkt, daß meine Aktien um 200 Prozent besser stehen, als ehedem.«

»Gott sei mir vor dem Prahler gnädig,« sagte Berndt, den Kopf schüttelnd: »der Prinzipal redet mit dir so wenig, als mit mir, und die Jungfer macht dir immer ein verdrüßlich Gesicht.«

»Soll bald ein freundlicheres machen,« versicherte Nothhaft hochmüthig.

»So?« fragte Berndt, dessen Neid allgemein rege wurde: »Du mein Jesulein! darf man schon Glück wünschen, Herr Hochzeiter?«

»Narren sagen oft die Wahrheit;« erwiderte Nothhaft, noch patziger als zuvor, und Berndt versetzte giftiger: »Gratulire also, Herr Associé und Schwiegersohn. Wird bald heißen: Müssinger und Compagnie? Charmant. Nun begreife ich erst, warum ich den Pastor Lammer zum Herrn habe bitten müssen. Das Aufgebot wird gewiß bereits bestellt? Nun, viel Succeß und geneigte Protektion, werthester Herr College! Vergessen Sie Dero getreusten Diener nicht im Glücke!«

»O du miserabler, kothiger Adam!« spottete Nothhaft. Der Buchhalter klopfte aber an's Comptoirfenster, und rief: »Soll ich euch Stühle hinaussetzen zu bequemerer Conversation, ihr Lungerer? Herein, hier giebt's zu thun, ihr, des lieben Herrgotts Müssiggänger!«

Berndt schwenzelte, der Amtspflicht getreu, schnell in die Schreibstube, Nothhaft zögerte stätig. Indessen trat bereits der Pastor der Johanniskirche im Amtsrock in das Haus. — »Der Herr Senator oben?« fragte er vornehm und schleppend. Nothhaft bejahte freundlichst, und schlich mit einem bedeutenden: »Aha!« an sein Pult.

Der Senator empfing den Pastor an der Thüre seines Zimmers, und bewillkommte ihn so freundlich, als ein im Gemüth Verletzter nur vermag. Der Geistliche nahm dieses Entgegenkommen als eine ihm gebührende Huldigung an, und antwortete darauf ohne sichtbare Herablassung.

»Ich bin wahrlich neugierig, Herr Senator,« sagte er, »zu erfahren, zu welchem Endzweck ich hier bin. Unter allen den, meiner geistlichen Pflege Empfohlenen, haben Sie mir noch am wenigsten zu schaffen gemacht. Mein Amt legt mir indessen die Pflicht auf, einem Jeden Gehör zu schenken; dem Sterbenden, dem Frommen und dem Sünder. Das Erste sind Sie nicht; das Zweite?.. will ich nicht beschwören. Was befehlen Sie?«