Das Meßopfer begann mit der größten Ruhe, und der Anstand des Geistlichen versöhnte bald die Protestantin mit den Gebräuchen, die sie nicht faßte. Sie sah den Priester demüthig vor den Stufen des Altars auf die Kniee sinken; sie fühlte, daß er vor dem Einigen seine Schuld bekenne, für sich und seine Gläubigen; und geheimnißvoll vorbereitend drangen die halblaut gesprochenen lateinischen Worte zu ihrem Ohr. Unwillkürlich machte sie die Geberden der übrigen Zuhörer nach. Sie hörte stehend das Evangelium, beugte das Haupt bei der Wandlung. Sie genoß im Geiste das Abendmahl des Priesters mit, und als derselbe dem Volke verkündete, die Messe sei vorüber, als er wieder hinter der Thüre entschwand, durch welche er gekommen, — da bedauerte fast Justine, daß das seltsame, nie gesehene Schauspiel vorüber gegangen. Um den Eindruck, den dasselbe auf sie gemacht, noch aus dem baufälligen Hause mit sich in die freie Luft zu retten, drängte sie rasch den Begleiter, der sie zurückhalten wollte, nach der Thüre, und trat, — beinahe die Erste der Davongehenden, aus der Kapelle.
»Was thun Sie?« flüsterte ihr James besorglich zu: »Sie werden sich verrathen, erkannt werden! Wir hätten die Letzten sein sollen!«
Von der triftigen Einrede erschüttert, stand Justine verlegen still, zog den Schleier fester zu, und sah kaum nach den Vorübergehenden, die, vermummt wie sie, mit flüchtigem Seitenblick von dannen zogen.
»Hier herein!« sagte mittlerweile der junge Engländer, und zog Justine in eine andere, nur angelehnte Thüre: »Hier finden wir, was wir gesucht, und indessen wird Haus und Hof von den neugierigen Gästen rein.«
Justine sah sich in dem Gemache um, und ward angenehm überrascht, ein ziemlich junges und hübsches Frauenzimmer, in prunkloser, aber sorgfältiger Kleidung, vor sich zu haben.
Dieses Letztere bewillkommte sie demüthig freundlich, mit einem wohlgesetzten Gruße in ausländischem Deutsch.
»Darf ich fragen ...?« äußerte Justine. —
»Mein Name ist Lainez;« versetzte die junge Frau: »wie glücklich machen Sie mich, indem Sie mich eines Besuchs würdigen, und einer Gelegenheit, Ihnen zu sagen, wie dankbar ich für die großmüthige Hülfe bin, die Sie mir durch den uneigennützigsten Wohlthäter, durch Herrn White, angedeihen ließen.«
»Die Offizierswittwe, von der ich Ihnen sagte;« schaltete James ein: »Nur ein Zufall ließ uns die rechte Thüre verfehlen.«