»Wohl geredet!« rief der Lieutenant beifällig: »Wie die Zunft, muß auch die Frau pariren und Subordination muß sein. Bei alledem möchte ich wissen, wohin die Damen sich begeben haben. Auf Ehre, ich möchte es erfahren. Wäre ihres Spazierwegs Ziel der Kuchengarten oder die Windmühle, ich ließe flugs meinen Polen satteln, um die reizende Jungfer von Mund zu Mund zu begrüßen.«

Der Sensal zuckte bei den prahlerischen Aeußerungen des Windbeutels die Achseln, sah aber beinebst durch's Fenster, und erwiderte: »Da kommt Einer, der Ihnen, gnädiger Herr Lieutenant, ganz gewiß die beste Auskunft zu geben vermag: der übergeschnappte Thürmer von St. Paul, der zum Rasendwerden in des Senators Tochter verliebt ist, ohne daß er je ein Wort mit ihr gesprochen hätte. Brüstet sich nicht der Geck in seinem betrodelten Kleide wie ein Graf, und wer sollt es dem geputzten Affen ansehen, daß er zu Posaune und Glockenstrang geboren und gebildet wurde?«

Der Mann Quaestionis flatterte in das Zimmer, geschmückt wie der albernste Zierbengel seiner Zeit.

»Sieh da, Monsieur Pahlens,« rief ihm der Offizier entgegen: »Magnifiquester aller Thürmer! Woher, wohin, guter Freund? Ist Ihnen der Stern unserer Stadt, die wonnevollste und freudenbringendste der Grazien begegnet?«

»Ach, gnädiger Herr!« versetzte Pahlenz mit schwärmerischem Ausdruck: »Des Lebens Licht hat mir gefunkelt auf meinem Seufzerpfad! Ich habe sie gesehen, in deren Aug Cupido mit gespanntem Bogen sitzt; das Götterkind. Zum Ritterhof begibt sich die Schöne, wie ich höre. Wäre ich doch der Kaffee, den sie schlürft, der Kuchen, den sie genießt. Gleich dem Zwieback, das ihre Hand zerbricht, zerbröselt sich mein Herz in eitler Sehnsucht!« —

»Abgeschmackter Gimpel!« brummte der schwarze Fremde leise vor sich hin, stand auf, und entfernte sich, langsam, wie er gekommen.

Niemand, den Doctor ausgenommen, bemerkte seinen Abgang, denn der verliebte Thürmer ergoß sich in blumenreichen und geschraubten Redensarten, schnitt Jedem das Wort von Munde, betäubte das Ohr eines Jeden. Der Offizier unterbrach ihn endlich ziemlich brüsk, schnallte sich den Degen um, setzte sich den Hut martialisch auf, fuhr in die Handschuhe, und bereitete sich, den Damen zum Ritterhofe zu folgen.

»Geht Er mit, Sensal?« fragte er barsch.

»Ich habe auf der Niederlage zu thun. Auch besitze ich kein Pferd, das mit Ihrem Polen gleichen Schritt halten könnte.«

»Mort de ma vie! ich besinne mich so eben, daß mein armer Polak sich den Fuß zertrat, und den Stall hüten muß. Ich werde zu Fuß gehen müssen. Begleiten Sie mich etwa, Monsieur Pahlens?«