»So lasse Sie ab von ihnen. Keine voreilige Vertraulichkeit, damit die Kirche nicht in Gefahr komme. Sie muß wachsen, im Verborgenen, wie die Saat des Feldes. Uebergebe Sie die Kinder ihrem Schicksale. Gott wird die Seinigen schon herausfinden.«
»Aber mich jammert, daß sie verdammt sein sollen. Sie sind doch meine Kinder, meine ehelichen Kinder.«
»Die Frage wäre erst noch aufzustellen. Ist Sie nicht katholisch? Ihr Mann Protestant? Abgesehen, daß solche paritätische Verbindungen an und für sich nichts taugen, so könnte man gerade Ihre Ehe nicht gültig erklären. Sie wurde von keinem katholischen Priester eingesegnet.«
»Herr Doctor ...!« stotterte die arme bestürzte Frau.
»Gräme Sie sich nicht. Ich will es so genau nicht nehmen. Aber lasse Sie die Kinder den eigenen Weg gehen, und erwarte Sie alles von der Zeit.«
Die Frau verneigte sich wieder demüthig, und entfernte sich. Der Doctor setzte sich auf eine Bank, lehnte sich an die dahinter stehende Linde, und schloß, wie er zu thun pflegte, nachdenkend die Augen. Der heutige Tag war jedoch ganz dazu gemacht, ihm die Unterhaltung der verschiedensten Art zu bereiten. Ein rasch daherkommender Mann nahm geräuschvoll neben ihm Platz.
Der Doctor erkannte, aufblickend, in dem Nachbar des Senators Comptoirdiener Nothhaft. Der Mensch, dem der Doctor als solcher unbekannt war, befand sich heute in gar aufgeregter Stimmung, und eine händelsüchtige, tückische Weinlaune sprach aus seinen Augen und seiner Haltung. Um ein Gespräch anzuknüpfen, das er zu wünschen den Anschein hatte, bot er dem Doctor eine Priese Tabak. Dieser versagte.
»Brauchen sich nicht zu geniren!« redete Nothhaft ziemlich barsch: »s'ist nichts Giftiges, nichts Schlafmachendes darunter.«
Der Doctor, um den Grobian nicht zu beleidigen, nahm eine Priese, ohne davon Gebrauch zu machen. Nothhaft besänftigte sich, und versetzte: