»Was will Sie? Ich kenne Sie. Nun?«
»Ich kann es mit meinem Mann nicht länger aushalten.«
»Wie so?«
»Er mißhandelt mich.«
»Warum?«
»Weil ich, eine Krankheit vorschützend, mich weigere zur Kirche zu gehen, und die Predigt zu hören, wie er's verlangt. Und dennoch fürchte ich mich vor der Sünde.«
»Ohne Noth. Ich spreche Sie los. Gehe Sie in die Kirche, damit der Schein bewahrt werde. Singe Sie mit, hört Sie aufmerksam der Predigt zu; aber bewahre Sie Ihr kaum genesenes Seelenheil mit geistlichen Stärkungsmitteln. So wird Ihr Mann beruhigt, und die Gemeinde schöpft nicht Verdacht.«
»Aber, Ew. Hochwürden: ich fürchte, das ist Heuchelei!«
»Um einen guten Zweck zu erfüllen, ist auch eine gewisse Heuchelei erlaubt. Beruhige Sie sich, gute Frau. Wie steht's mir Ihren Kindern? Spürt Sie in diesen keine Anlagen zum Heil?«
»Ach Gott, nein, Herr Doctor. Die Buben sind so roh, und die Tochter hat kaum die Confirmation überstanden.«