Das Verhältnis der übrig bleibenden frischen Reserven gibt meistens den Hauptgrund zur völligen Entscheidung ab. Der Feldherr, der seinen Gegner darin von entschiedener Überlegenheit sieht, entschließt sich zum Rückzug. Es ist gerade die Eigentümlichkeit der neueren Schlachten, daß alle Unglücksfälle und Verluste, die in ihrem Verlauf stattgehabt haben, durch frische Kräfte gutgemacht werden können, weil die neuere Art, wie die Truppen ins Gefecht geführt werden, ihren Gebrauch fast überall und in jeder Lage gestatten. Solange also der Feldherr, gegen den der Ausgang sich zu erklären scheint, noch eine Überlegenheit an Reserve hat, wird er die Sache nicht aufgeben. Aber von dem Zeitpunkt an, wo seine Reserven anfangen schwächer zu werden als die feindlichen, ist die Entscheidung als gegeben zu betrachten, und was er nun noch tut, hängt teils von besonderen Umständen, teils von dem Grade des Mutes und der Ausdauer ab, die ihm gegeben sind und die auch wohl in unweisen Starrsinn ausarten können.


Wenn auf der einen Seite der gebieterische Stolz eines siegreichen Eroberers, wenn der unbeugsame Wille eines angeborenen Starrsinns, wenn das krampfhafte Widerstreben einer edlen Begeisterung nicht vom Schlachtfelde weichen wollen, wo sie ihre Ehre zurücklassen sollen, – so rät auf der anderen Seite die Einsicht, nicht alles auszugeben, nicht das Letzte aufs Spiel zu setzen, sondern so viel übrig zu behalten, als zu einem geordneten Rückzuge nötig ist.

Wie hoch auch der Wert des Mutes und der Standhaftigkeit im Kriege angeschlagen werden muß und wie wenig Aussicht der auf den Sieg hat, der sich nicht entschließen kann, ihn mit der ganzen Kraftanstrengung zu suchen, so gibt es doch einen Punkt, über den hinaus das Verharren nur eine verzweiflungsvolle Torheit genannt werden kann.


Ein in Feindesland Zurückgehender bedarf in der Regel einer vorbereiteten Straße. Einer, der unter sehr schlimmen Verhältnissen zurückgeht, bedarf ihrer doppelt. Einer, der in Rußland 120 Meilen weit zurück will, braucht sie dreifach. Unter vorbereiteter Straße verstehen wir eine, die von seinen Etappentruppen besetzt war und auf der er Magazine findet.


In der verlorenen Schlacht ist die Macht des Heeres gebrochen worden, noch mehr die moralische als die physische. Eine zweite, ohne daß neue vorteilhafte Umstände ins Spiel kommen, würde zur gänzlichen Niederlage, vielleicht zum Untergange führen. Das ist ein militärisches Axiom. Nach der Natur der Sache geht der Rückzug bis zu dem Punkt, wo sich das Gleichgewicht der Kräfte wiederhergestellt haben wird, sei es durch Verstärkung oder durch den Schutz bedeutender Festungen, oder durch große Abschnitte des Bodens oder durch die Ausdehnung der feindlichen Macht. Der Grad des Verlustes, die Größe der Niederlage wird diesen Moment des Gleichgewichtes nähern oder entfernen, noch mehr aber der Charakter des Gegners. Wie viele Beispiele gibt es nicht, daß das geschlagene Heer sich in einer geringen Entfernung wieder aufgestellt hat, ohne daß seine Verhältnisse seit der Schlacht sich im mindesten verändert hätten. Der Grund davon liegt entweder in der moralischen Schwäche des Gegners oder darin, daß das in der Schlacht gewonnene Übergewicht nicht groß genug ist, um zu einem nachdrücklichen Stoße zu führen.