Das erste, was sich der Einbildungskraft – und man kann auch wohl sagen: des Verstandes – in einer unglücklichen Schlacht bemächtigt, ist das Zusammenschmelzen der Massen, dann der Verlust des Bodens, der mehr oder weniger immer, und also auch beim Angreifenden, eintritt, wenn er nicht glücklich ist. Dann die zerstörte ursprüngliche Ordnung, das Durcheinandergeraten der Teile, die Gefahren des Rückzugs, die mit wenig Ausnahmen immer, bald schwächer, bald stärker, eintreten. Nun der Rückzug, der meist in der Nacht angetreten oder wenigstens die Nacht hindurch fortgesetzt wird. Gleich bei diesem ersten Marsch müssen wir eine Menge von Ermatteten und Verstreuten zurücklassen, oft gerade die Bravsten, die sich am weitesten vorgewagt, die am längsten ausgeharrt haben. Das Gefühl, besiegt zu sein, das auf dem Schlachtfelde nur die höheren Offiziere ergriff, geht nun auf alle Klassen bis zum Gemeinen über, verstärkt durch den abscheulichen Eindruck, so viel brave Gefährten, die gerade in der Schlacht uns erst recht wert geworden sind, in Feindeshänden zurücklassen zu müssen, und verstärkt durch das erwachende Mißtrauen gegen die Führung, der mehr oder weniger jeder Untergebene die Schuld seiner vergeblich gemachten Anstrengung beimißt. Und dieses Gefühl, besiegt zu sein, ist keine bloße Einbildung, über die man Herr werden könnte. Es ist die offenkundige Wahrheit, daß der Gegner uns überlegen ist, eine Wahrheit, die in den Ursachen so versteckt sein konnte, daß sie vorher nicht zu ersehen war, die aber beim Ausgang immer klar und bündig hervortritt, die man auch vielleicht vorher erkannt hat, der man aber in Ermangelung von etwas Handgreiflicherem Hoffnung auf den Zufall, Vertrauen auf Glück und Vorsehung, mutiges Wagen entgegenstellen mußte. Nun hat sich dies alles als unzulänglich erwiesen, und die ernste Wahrheit tritt uns streng und gebieterisch entgegen.


Wer auf dem allgemeinen Rückzuge nach verlorener Schlacht glaubt, durch einige schnelle Märsche einen Vorsprung zu gewinnen und leichter einen festen Stand zu bekommen, begeht einen großen Irrtum. Die ersten Bewegungen müssen so klein als möglich, und im allgemeinen muß es Grundsatz sein, sich nicht das Gesetz des Feindes aufdringen zu lassen. Diesen Grundsatz kann man nicht befolgen ohne blutige Gefechte mit dem nachdringenden Feind, aber der Grundsatz ist dieses Opfers wert. Ohne ihn kommt man in eine beschleunigte Bewegung, die bald ein Stürzen wird und dann an bloßen Nachzüglern mehr Menschen kostet, als die Schlachten der Nachhut gekostet hätten, außerdem aber die letzten Überreste des Mutes vernichtet.


Eine starke Nachhut, von den besten Truppen gebildet, vom tapfersten General geführt und in den wichtigsten Augenblicken von der ganzen Armee unterstützt, eine sorgfältige Benutzung der Gegend, starke Hinterhalte, sooft die Kühnheit der feindlichen Vorhut und die Gegend Gelegenheit dazu geben, kurz die Einleitung und der Plan zu förmlichen kleinen Schlachten: das sind die Mittel zur Befolgung jenes Grundsatzes.


Die Schwierigkeiten des Rückzuges sind natürlich größer oder kleiner, je nachdem die Schlacht unter mehr oder weniger günstigen Verhältnissen gefochten, und je nachdem sie mehr oder weniger ausgehalten worden ist. Wie man aus allem ordnungsmäßigen Rückzuge kommen kann, wenn man sich gegen einen überlegenen Gegner bis auf den letzten Mann wehrt, zeigen die Schlachten von Jena und Belle-Alliance.


Um die Schwächen oder Fehler des Gegners zu benutzen, nicht einen Zollbreit weiter zurückzugehen, als die Gewalt der Umstände erfordert, hauptsächlich aber, um das Verhältnis der moralischen Kräfte auf einem so vorteilhaften Punkt als möglich zu erhalten, ist ein langsamer, immer widerstrebender Rückzug, ein kühnes, mutiges Entgegentreten, sooft der Verfolgende seine Vorteile im Übermaß benutzen will, durchaus nötig. Die Rückzüge großer Feldherren und kriegsgeübter Heere gleichen stets dem Abgehen eines verwundeten Löwen, und dies ist unstreitig auch die beste Theorie.