Wie der Vorteil der Gegend zum Siege beiträgt, ist an sich verständlich genug, und es ist nur das eine zu bemerken, daß hier nicht bloß von den Hindernissen die Rede ist, die dem Angreifenden bei seinem Vorrücken aufstoßen, wie: steile Gründe, hohe Berge, sumpfige Bäche, Hecken usw., sondern daß es auch ein Vorteil der Gegend ist, wenn sie Gelegenheit gibt, uns verdeckt darin aufzustellen. Selbst von einer ganz gleichgültigen Gegend kann man sagen, daß der ihren Beistand genießt, der sie kennt.


Der Verteidiger hat den Vorteil der Gegend, der Angreifende den des Überfalls in der Strategie wie in der Taktik. Vom Überfall ist aber zu bemerken, daß er in der Strategie ein unendlich wirksameres und wichtigeres Mittel ist als in der Taktik. In dieser wird man einen Überfall selten bis zum großen Sieg ausdehnen können, wogegen ein Überfall in der Strategie nicht selten den ganzen Krieg mit einem Streich geendigt hat. Dagegen ist zu bemerken, daß der Gebrauch dieses Mittels große, entschiedene, seltene Fehler beim Gegner voraussetzt, es daher in die Wagschale des Angriffs kein sehr großes Gewicht legen kann.


Hat die Verteidigung einmal das Prinzip der Bewegung in sich aufgenommen (einer Bewegung, die zwar später anfängt als die des Angreifenden, aber immer zeitig genug, um die Fesseln der erstarrenden Passivität zu lösen), so wird der Vorteil der größeren Vereinigung und der inneren Linien ein sehr entscheidender und meistens wirksamerer zum Siege, als die konzentrische Figur des Angriffs. Sieg aber muß dem Erfolg vorhergehen. Erst muß man überwinden, ehe man an das Abschneiden denken kann. Kurz, man sieht: es besteht hier ein ähnliches Verhältnis, wie das zwischen Angriff und Verteidigung überhaupt. Die konzentrische Form führt zu glänzenden Erfolgen, die exzentrische gewährt die ihrigen sicherer; jenes ist die schwächere Form mit dem positiveren, dieses die stärkere Form mit dem negativen Zweck. Dadurch, scheint uns, sind diese beiden Formen schon in ein gewisses schwebendes Gleichgewicht gebracht. Fügt man nun hinzu, daß sich die Verteidigung, weil sie nicht überall eine absolute ist, auch nicht immer in der Unmöglichkeit befindet, sich der konzentrischen Kräfte zu bedienen, so wird man mindestens kein Recht mehr haben, zu glauben, daß diese Wirkungsart allein hinreichend sei, dem Angriff ein ganz allgemeines Übergewicht über die Verteidigung zu gewähren, und so wird man sich von dem Einflusse befreien, den diese Vorstellungsart bei jeder Gelegenheit auf das Urteil auszuüben pflegt.


Der Vorteil der inneren Linien wächst mit den Räumen, auf die sich diese Linien beziehen. Bei Entfernungen von einigen tausend Schritten oder einer halben Meile kann natürlich die Zeit, die man gewinnt, nicht so groß sein, wie bei Entfernungen von mehreren Tagesmärschen oder gar von zwanzig bis dreißig Meilen; die ersteren, nämlich die kleinen Räume, gehören der Taktik an, die größeren der Strategie. Wenn man nun freilich in der Strategie auch mehr Zeit zur Erreichung des Zwecks braucht als in der Taktik, und eine Armee nicht so schnell überwunden ist wie ein Bataillon, so nehmen doch diese Zeiten in der Strategie auch nur bis zu einem gewissen Punkt zu, nämlich bis zur Dauer einer Schlacht, und allenfalls der paar Tage, um die sich eine Schlacht ohne entscheidende Opfer vermeiden läßt. Ferner findet ein noch viel größerer Unterschied in dem eigentlichen Vorsprung statt, den man in dem einen und dem andern Fall gewinnt. Bei den kleinen Entfernungen in der Taktik: in der Schlacht, geschehen die Bewegungen des einen fast unter den Augen des andern; der auf der äußeren Linie Stehende wird also die seines Gegners meistens schnell gewahr. Bei den größeren Entfernungen der Strategie geschieht es wohl höchst selten, daß eine Bewegung des einen nicht wenigstens einen Tag dem andern verborgen bleibt, und es gibt Fälle genug, in denen, besonders wenn die Bewegung nur einen Teil betraf und in einer beträchtlichen Entsendung bestand, dies wochenlang verborgen geblieben ist. Wie groß der Vorteil des Verbergens für denjenigen ist, der durch die Natur seiner Lage am meisten imstande ist, davon Gebrauch zu machen, läßt sich leicht einsehen.


Ein schneller, kräftiger Übergang zum Angriff – das blitzende Vergeltungsschwert – ist der glänzendste Punkt der Verteidigung. Wer sich ihn nicht gleich hinzudenkt, oder vielmehr, wer ihn nicht gleich in den Begriff der Verteidigung aufnimmt, dem wird nimmermehr die Überlegenheit der Verteidigung einleuchten; er wird immer nur an die Mittel denken, die man durch den Angriff dem Feinde zerstört und sich erwirbt, welche Mittel aber nicht von der Weise abhängen, den Knoten zu schürzen, sondern ihn aufzulösen. Ferner ist es eine grobe Verwechselung, wenn man unter Angriff immer einen Überfall versteht und sich folglich unter Verteidigung nichts als Not und Verwirrung denkt.

Freilich faßt der Eroberer seinen Entschluß zum Kriege früher als der harmlose Verteidiger, und wenn er seine Maßregeln gehörig geheimzuhalten weiß, wird er diesen wohl auch überraschen können. Aber das ist etwas dem Kriege Fremdes. Der Krieg ist mehr für den Verteidiger als für den Eroberer da, denn der Einbruch hat erst die Verteidigung hervorgerufen und mit ihr den Krieg. Der Eroberer ist immer friedliebend, wie Bonaparte auch stets von sich behauptet hat. Er zöge ganz gern ruhig in unsern Staat ein. Damit er dies aber nicht könne, darum müssen wir den Krieg wollen, und also auch vorbereiten, d. h. mit andern Worten: es sollen gerade die Schwachen, der Verteidigung Unterworfenen immer gerüstet sein, um nicht überfallen zu werden. So will es die Kriegskunst.