Wir haben gesehen, daß die Verteidigung im Kriege überhaupt, also auch die strategische, kein absolutes Abwarten und Abwehren, also kein vollkommenes Leiden ist, sondern ein relatives, folglich von mehr oder weniger offensiven Prinzipien durchdrungen. Ebenso ist der Angriff kein homogenes Ganze, sondern mit der Verteidigung unaufhörlich vermischt. Zwischen beiden findet aber der Unterschied statt, daß die Verteidigung ohne offensiven Rückstoß gar nicht gedacht werden kann, daß dieser ein notwendiger Bestandteil der Verteidigung ist, während beim Angriff der Stoß oder Akt an sich ein vollständiger Begriff ist. Die Verteidigung ist ihm an sich nicht nötig, aber Zeit und Raum, an die er gebunden ist, führen ihm die Verteidigung als ein notwendiges Übel zu. Denn erstens kann er nicht in einer stetigen Folge bis zur Vollendung fortgeführt werden, sondern erfordert Ruhepunkte, und in dieser Zeit der Ruhe, wo er selbst neutralisiert ist, tritt der Zustand der Verteidigung von selbst ein. Zweitens ist der Raum, den die vorschreitende Streitkraft hinter sich läßt und den sie zu ihrem Bestehen notwendig braucht, nicht immer durch den Angriff an sich gedeckt, sondern muß besonders geschützt werden.

Es ist also der Akt des Angriffs im Kriege, vorzugsweise aber in der Strategie, ein beständiges Wechseln und Verbinden von Angriff und Verteidigung, wobei aber letztere nicht als eine wirksame Vorbereitung zum Angriffe, nicht als eine Steigerung desselben anzusehen ist, also nicht als ein tätiges Prinzip, sondern als ein bloßes notwendiges Übel, als das retardierende Gewicht, das die bloße Schwere der Masse hervorbringt. Sie ist seine Erbsünde, sein Todesprinzip. Wir sagen: ein retardierendes Gewicht, weil, wenn die Verteidigung nichts zur Verstärkung des Angriffs beiträgt, sie schon durch den bloßen Zeitverlust, den sie darstellt, seine Wirkung vermindern muß.


Jeder Angriff muß mit einem Verteidigen enden. Wie dies beschaffen sein wird, hängt von Umständen ab. Sie können sehr günstig sein, wenn die feindlichen Streitkräfte zerstört sind, aber auch sehr schwierig, wenn dies nicht der Fall ist. Bei jedem Angriffe muß daher auf die ihm notwendig anhängende Verteidigung Rücksicht genommen werden, um sich auf die Nachteile, denen er unterworfen ist, gefaßt zu machen.


Wo der Sieg gesucht wird, darf der offensive Teil in der Verteidigungsschlacht niemals fehlen, und von diesem offensiven Teile aus können alle Wirkungen eines entscheidenden Sieges hervorgehen, so gut wie aus einer reinen Offensivschlacht, so daß für die strategische Kombination im Grunde zwischen Angriffs- und Verteidigungsschlacht gar kein Unterschied besteht.


Was wir von der Defensivschlacht gesagt haben, wirft schon ein großes Licht auf die Offensivschlacht.

Wir haben dort die Schlacht im Auge gehabt, in der die Verteidigung am stärksten ausgesprochen ist, um ihr Wesen fühlbar zu machen. Die wenigsten Schlachten sind aber von dieser Art; die meisten sind halbe Renkontres, in denen der Defensivcharakter sehr verloren geht. Anders verhält es sich mit der Offensivschlacht. Sie behält ihren Charakter unter allen Umständen. Die Haupteigentümlichkeit der Offensivschlacht ist das Umfassen oder Umgehen.