Nach ein paar Jahren kam Edmund von seinen Reisen zurück, erfuhr durch Paul die Verheirathung Albinens, und ihren Auffenthalt zu M* und fühlte sich stark genug, mit ruhiger Herzlichkeit sie selbst seines Antheils versichern zu können. In ihrem Haus und durch die Freundschaft des edlen Guido wurde ihm manche genußreiche Stunde zu Theil und hier war es auch, wo sein ehliches und häusliches Glück gegründet wurde. Ein schneller Tod Corneliens zog nemlich die Auflösung des ohnehin klein gewordenen Instituts nach sich und Aurelia wurde von ihrem Vater abgeholt. Doch dieser sollte die geliebte Tochter nicht lange besitzen. Er befriedigte ihr sehnsüchtiges Verlangen: ihre theure Albina wieder zu sehen und wollte mit ihr über E* zurückreisen.
Guido und seine Gattin freuten sich innig der lieben Gäste und wußten ihnen ihren Auffenthalt so angenehm zu machen, daß die dazu bestimmten Tage zu Wochen wurden. In dieser Zeit lernte Edmund, nun mit freiem Herzen, Aureliens Vorzüge kennen und eine zärtliche Achtung und Liebe war die Folge davon. Ach Aurelia hatte auch ihn noch nicht vergeßen! sie gestand es Albinen mit heißem Erröthen, und des Vaters Gefallen an dem jungen Mann, erleichterte diesem die Bewerbung um die liebenswürdige Tochter. Jener gab seine Einwilligung und Aureliens reines Glück erhielt die Vollendung durch die reizende Aussicht in Albinens Nähe leben zu können.
Corneliens Tod hatte Albinens kindliches Gemüth tiefbetrübt. Auch Theodor betrauerte sie herzlich. Ihn hatte die Verstorbene zum Besitzer des Landhauses ernannt. Bald darauf folgte der damalige Pächter seiner Herrin in die Ewigkeit nach. Die Stelle mußte ersezt werden und Antonie wurde dadurch in den Stand gesezt, sich gegen Jacob und seine Familie dankbar zu beweisen. Mit gänzlicher Beistimmung ihres Gattens wurde er berufen, das Gut zu pachten und erschien mit Freuden. Sie wurden unter den für sie vortheilhaftesten Bedingungen angenommen, erfüllten treu ihre Verpflichtungen und fühlten sich unbeschreiblich glücklich.
Nach zurückgelegten Wanderjahren besuchte Georg Werner seine Verwandte und holte sich bald darauf sein Bäschen Maria zum Weibe. Sie erhielt von Antonien eine reichliche Ausstattung. Dies war aber die lezte Freude, welche sie hienieden genoß. Nach dem zweiten unglücklichen Wochen-Bette, in welchen sie beidemale von einem todten Knaben entbunden wurde, führte sie der Tod aus den Armen ihres trostlosen Gattens, in das Land, wo keine Trennung ist.
Theodor flüchtete sich mit seinen wunden Herzen zu Albinen, gab seine Stelle am Hof auf und wiedmete sich der Tonkunst. Bei dieser sanften Muse fand er den kräftigsten Trost. Tragisch, dramatische Werke verdanken ihm ihre musikalische Bearbeitung. Eugenia hörte von Theodors traurigem Schicksale und von den Früchten, seiner im Dienst der Wehmuth stehenden Phantasie. Sie schrieb an ihn theilnehmende Briefe. Wie liebliche Töne aus der Jugendwelt klangen ihm ihre Versicherungen im Herzen wieder, und er fand in dem fleißig unterhaltenen Briefwechsel wahre Beruhigung.
Einem dieser Briefe war ein Schreiben Richards von Steinfels beigeschloßen, welcher durch den Profeßor von Antoniens Vollendung in Kenntniß gesezt worden war. Der Brief war folgenden Inhalts:
Nun, da der Engel, welcher mich einst der Tugend zuführte, in seine Heimath zurückgeeilt ist, nun darf ich es wagen, mich dem würdigen Manne zu nähern, welchen der kurze Besitz jenes himmlischen Wesens beglückte und welcher durch dessen Verlust tief gebeugt wurde. Ich darf ihm sagen, daß ich unfähig war, nachdem ich Antoniens Werth kennen gelernt hatte, eine andere Verbindung zu knüpfen, daß ich ihr Andenken heilig in meinem Herzen bewahrte. Mit Ihnen nun aber auch treu den Schmerz um die Verlohrene theilend, kenne ich keinen innigern Wunsch für diese Welt: als daß Sie mich werth finden möchten, in brüderlicher, gemeinsamer Trauer mit mir Hand in Hand die kurze Bahn durchs Leben vollends zu wandeln. Ich stehe ganz allein. Meine Eltern weilen, wo Antonie ist. Das väterliche Haus habe ich weggegeben, da mir der Auffenthalt in der geräuschvollen Stadt nicht zusagte. In einem lieblichen Thal liegt das Gut, deßen Besitz ich mir erkauft habe. Hier lebe ich von den Früchten des Landes und suche meine Unterthanen zu beglücken.
Kommen Sie zu mir Freund! bringen Sie Ihre Muse mit; sie liebt die ländliche Stille und was Tonkunst, Natur und Freundschaft dem Betrübten tröstliches zu biethen vermögen, das wird unser Antheil seyn.
Richard.
Theodor konnte diesen freundschaftlichen Ruf nicht ausschlagen. Er folgte ihm und fand nie Ursache, es zu bereuen.