Eugenia freute sich schwesterlich, als sie nach und nach aus Theodors Briefen die Ueberzeugung schöpfte daß die Zeit und sein Verhältnis bei und zu Richard seinen Schmerz ruhiger gemacht habe. Sie vereinigten sich endlich zu einer gemeinschaftlichen Kunstthätigkeit. Eugenia schrieb treffliche Werke für die Bühne, doch alle ernsten und tragischen Inhalts; denn auch sie hatte durch ihr Geschick eine andere Ansicht des Lebens erhalten und fühlte sich mehr zur stillen Schwermuth als zum lauten Frohsinn geneigt, welcher Stimmung sie aber nie die Herrschaft im Umgange mit ihrem Gatten und ihren Freunden einräumte: sondern hier eine ruhige, alles beglückende Heiterkeit zeigte. Aber jene Produckte ihrer Feder sprachen ihren wahren Charakter aus und diese gehaltvollen Worte sezte Theodor dann in Musiek. So entstanden mehrere große Opern, welche den Liebhabern des Theaters vielen Genuß gewährten.
Albina, aber lieber in der wirklichen Welt lebend, wurde eine überaus treue Mutter von vier eigenen wunderschönen und liebenswürdigen Kindern; doch empfanden Guido’s Sohn und Tochter keine Beeinträchtigung der mütterlichen Liebe und Sorgfalt durch Jene. Sie schöpften mit diesen aus der Fülle ihres milden und geistreichen Wesens. Guido fand den Himmel auf Erden in dem Besitz seiner Albina und wer in ihrer Nähe lebte, freute sich doppelt seines Daseyns in dem Wiederschein und den Wirkungen ihrer Tugenden. Auch die alttäglichsten Geschäfte, auch die gewöhnlichsten Neigungen hatten bei ihr Sinn und Bedeutung und dienten ihr dazu, die Lebenstage Anderer zu verschönern und ihren eigenen zarten und tiefen Gefühl, Genüge zu leisten.
So war sie auch ihr ganzes Leben hindurch eine Freundin der Blumen: denn sie waren ja ihre ersten Gespielen und die Begründer ihres Glücks. Doch vorzüglich liebte sie unter ihnen diejenigen, welche einst, in jenem folgereichen Augenblick Langenheim zum Geschenk für seine Gattin in ihrem Körbchen zusammengesucht hatte; und als sie — eine würdige Greisin — ihr schönes Leben endigte: war, nach ihrem ausgesprochenen Wunsch, ihr einziger Schmuck ein Strauß von Granaten, Nelken und Jelängerjelieber, welchen die ihrigen unter heißen Thränen in ihre kalte Hand legten.
Fußnote:
[*] ] Bei dieser Reisebeschreibung wurde von der Verfaßerin, das schätzbare Werk, Erinnerungen von einer Reise in den Jahren 1803–1804–1805. von Johann Schoppenhauer hie und da benützt.
Anmerkungen zur Transkription: