(Bertha war schon länger, Franz unbemerkt, ins Zimmer geschlichen, und hatte ihn belauscht; jetzt konnte sie das Lachen nicht mehr zurückhalten, und Franz erschrack, daß seiner Hand der Hut entfiel, und er ein lautes:
»Ach!« hervorsties.)
Bertha: »Aber sag mir nur einmal Brüderchen, was in aller Welt soll dies bedeuten? Was hast Du denn vor, und wie eitel geberdet sich das Herrchen?«
Franz, zürnend: »Verlaß mich du unnüzes Ding! Gerade jezt kommst du mir in die Quere, und erschreckst mich, daß ich zittere.«
Bertha, schmeichelnd: »Sey nicht böse Franz! ich that dies nicht mit Absicht, aber schon eine ernstere Person als ich hätte deine Grimassen und steifen Krazfüsse nicht ohne Lachen mit ansehen können, und nun erst die lachlustige Bertha! – nein, um keinen Preis wäre es mir möglich gewesen. Doch erkläre mir nur, warum Du Dich so stattlich aufgepuzt hast und Dich aufbläst wie ein Truthähnchen. Wer ist denn der Glückliche dem Du deinen Besuch abstatten, und so hochtrabend ansprechen willst?«
Franz: »Ei was verstehst Du davon, was sich schickt, und was sich nicht schickt. Wenn ich als Abgesandter einem berühmten Virtuos aufwarte, dann kann ich nicht im Alltagsjäckchen hinlaufen, und ohne Wahl im Ausdruck mich gegen ihn aussprechen. Dazu muß man vorbereitet seyn, und den Anstand beobachten.«
Bertha: »Freilich, wann Du erwachsen wärst, ließ sich dies hören, aber ein Knabe, und ein Abgesandter, wie reimt sich wohl das? und wer sendet dich denn?«
Franz: »Meine ganze ansehnliche Schule, die gestern mit mir dem Conzert beiwohnte, das der große Violinspieler Marko im Gasthaus zur goldnen Rose gab. Wir Alle waren entzückt über das Spiel des unvergleichlichen Meister, und beschlossen nun, daß eine Gesandschaft von uns zu jenem sich heute begeben, und ihm unser Wohlgefallen versichern solle. Mich – (er wirft sich in die Brust) erkohr einstimmige Wahl zum Redner, und eben wollte ich meine Aufgabe wiederholen, als Du mich störtest.«
Bertha: (rückt Franz vertraulich näher; legte die Hand auf seinen Arm und raunt ihm halb laut ins Ohr:)
»Du gehst auf Stelzen Fränzchen! Gieb Acht daß Du nicht purzelst. Höre, ich bin nur ein einfältiges Mädchen, aber das sehe ich wohl ein: daß ihr Knaben eingebildete Herrchen, und euer Einfall eine Thorheit ist. Der Künstler bedarf Eures Lobs nicht, und kann Euch unfreundlich abweisen. Ich bitte dich Brüderchen, nimm nicht Theil an der Sache, Du erndest keine Ehre davon.«
Franz: »O über die wohlweise Fräulein Schwester! ich muß dich bitten, deine Rathschläge für dich zu behalten. – Aha! da kommen sie ja, mich abzuholen.«