»Mein Gott! Brüderchen was fehlt Dir denn, warum bist Du so verstimmt?«
Franz ärgerlich: »laß mich Emma, Du kannst mir doch nicht helfen.«
Emma: »Nein, nein, Du darfst mich nicht so schnöde abweisen. Eine gute Schwester hat immer das Recht nach dem Kummer des Brüderleins zu fragen, und dieser ist verpflichtet, hübsch ordentlich darauf zu antworten. Also sprich Fränzchen, was quält und betrübt Dich?«
(Franz durch Emma's sanftes Zureden erweicht, bricht in Thränen aus, und erwiedert:)
»Die Schande schmerzt mich, die Schande abgewiesen worden zu sehn, wo ich es nicht erwartete.«
Emma: »Ei so erzähle doch nur, ich weiß ja nicht, woran ich bin.«
Franz: »Bertha hat Dir also nicht mitgetheilt, daß ich mit noch einigen Freunden abgesendet wurde, Herrn Marko für sein gestriges herrliches Conzert in unser aller Namen Dank und Lob zu bringen, und ich war erwählt die Anrede an ihn zu halten; allein denke Dir nur: als wir hinkamen, und er durch seinen Diener unser Vorhaben vernahm, ließ er uns wissen: wir möchten gleich wieder umkehren, Knaben-Lob nähme er für Tadel. Nun urtheile Schwesterchen ob ich nicht über diese Erfahrung mich halb zu Tode grämen soll.«
Emma: »Ei das lasse wohl bleiben Du Närrchen, und – im Vertrauen gesagt, wärst du weniger eingebildet gewesen, so hätte dir dies nicht begegnen können: Doch es ist vorbei und so schlage Dir es aus dem Sinne, hörst Du?«
Franz: »Ach wie kann ich dies? es ist schwer zu verschmerzen.«
Emma: »Nicht doch Franz! ich will Dir gleich etwas mittheilen, über das Du als guter Sohn Dich aufrichtig freuen, und Marko, deine Rede und Kameraden ja alles Unangenehme leicht vergessen wirst.«