Im Molo lag der »Wurmbrand«, der sie nach Triest bringen sollte. Wie Elisabeth den deutschen Namen in der Sonne leuchten sah, wurde sie froh, als ob sie einen Gruß der Heimat empfangen hätte. Mit einem leisen Glücksgefühl, wie sie es lange nicht mehr gekannt, schritt sie über die Zugbrücke. Der Oberst wachte genau, daß alles Gepäck pünktlich verladen wurde, die beiden Knaben in ihren blauen Matrosenanzügen mit dem kleinen Trauerflor am Arm konnten sich nicht sattsehen an den ungefügen Stahlgliedern der Schiffsmaschine. Elisabeth setzte sich auf dem Verdeck nieder und sah voll Sehnsucht über die Lagune hin, in der Richtung, wo nach wenigen Stunden schon Triest aus dem Meer aufsteigen würde. Carlo Priuli kam, um ihr Lebewohl zu sagen, brachte den Kindern ein paar Süßigkeiten und sprach die abgerissenen und gleichgültigen Worte, die man bei jedem Abschied auf der Eisenbahn oder im Hafen spricht. Seine Blicke ruhten auf ihr mit zärtlicher Güte und seine Stimme klang ein wenig ängstlich, als er fragte:
»Lisa, gehst Du für immer von hier fort oder sehen wir uns wieder?«
Sie wollte aufschreien: »Nie mehr sehen wir uns wieder! Nie mehr kehre ich in diese schreckliche Stadt zurück!« Da zog ihr aber die Erinnerung an jenen Nachmittag in den Giardini publici durch den Sinn, und wie ein Erlöser von geheimer Angst überkam sie der Gedanke, daß auch dieser Tüchtige ein Priuli war – – Zum erstenmal seit Ettores Tod huschte ein hellerer Schimmer über ihr verhärmtes Gesicht, und das harte Wort, das sie sprechen wollte, blieb ungesagt.
Die Schiffsschrauben begannen langsam zu schnauben, von der Schiffsbrücke her riefen die Matrosen, daß es für die Zurückbleibenden höchste Zeit sei, das Schiff zu verlassen. Carlo streckte Elisabeth die Hand zum Abschied hin, und da sie bislang ihm nicht geantwortet hatte, fragte er noch einmal, angstvoller als vorhin:
»Sehen wir uns wieder?«
Sie legte ihre Hand in die seine und sagte:
»Vielleicht!«
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