Um Elisabeths Lippen zitterte ein bitteres Lächeln.

»Papa, hättest Du je geglaubt, daß Du Venedig einmal ›das verfluchte Nest‹ nennen würdest?«

»Habe ich etwa kein Recht dazu? Hat dieses verfluchte Nest uns nicht schmählich enttäuscht?«

Elisabeth schwieg eine Weile, ehe sie antwortete:

»Ja, es hat uns enttäuscht, weil wir uns selber täuschten und täuschen wollten. Weil wir immerfort nur auf das gehört haben, was die Maler und die Dichter und die Steine von dieser Stadt erzählen, und niemals ihre Menschen kennen lernen, wie sie wirklich sind. Ich habe die Wirklichkeit mißachtet, – das war der große Rechenfehler meines Lebens, für den ich büßen muß!«

Der Oberst schwieg. Er konnte seiner Tochter nicht ganz unrecht geben, wollte aber nicht weiter bei dem Gespräch verharren und meinte:

»Was geschehen ist, können wir nicht mehr ungeschehen machen. Jetzt gehst Du zunächst zur Erholung mit mir heim und später … Ja, vielleicht wickeln wir später doch alles ab, was Dich hier noch bindet, und leben wieder friedlich miteinander weiter wie in alten Tagen?!«

Da brach aus Elisabeth die aufgespeicherte Sehnsucht vieler Jahre hervor, daß sie mit schluchzender Stimme leidenschaftlich rief:

»Ja, heim! Nur endlich heimkommen, nichts anderes will ich mehr und nie wieder von daheim fortgehen. Daheim kann ich vielleicht manches vergessen und aus den Kindern doch noch ordentliche Menschen machen!«