Mit gesenkter Stirn und verschlossenem Mund vernahm Elisabeth die Kunde, die aus Pisa kam. Ernst und schweigsam ging sie durch die Bitternisse hin, die ihr die Tage brachten, spielte aber weder sich noch andern eine Komödie des Schmerzes vor. Still und fest blickte sie auch auf die Schmutzwoge, die über den Sarg ihres Mannes her in ihr Haus schlug, auf all die zweifelhaften Kavaliere, auf die Wucherer, die geschminkten Mädchen, die Kupplerinnen, denen allen der Graf Priuli in irgendeiner Weise verschuldet war, und die nun von der Witwe die Begleichung ihrer Forderungen begehrten. Elisabeth gab, so viel sie konnte, und fragte nicht danach, ob der Rest ihres Vermögens schnell kläglich zusammenschmolz. Wenn der Oberst ihr wehren wollte und warnte:
»Wenn das so weitergeht, hast Du bald selbst nichts mehr!« entgegnete sie ruhig:
»Das macht nichts, wenn es nicht mehr reicht, dann vermieten wir den Palast und verkaufen die Galerie an die Stadt oder an den Staat!«
»Das sagst Du wohl, das brächtest Du aber nie übers Herz! Du warst doch immer so stolz auf Dein Haus und auf Deine Bilder und warst es mit Recht!«
»Ja, früher! Da habe ich wohl gern in der Vergangenheit gelebt und gemeint, es gäbe nichts Schöneres als sie! Jetzt aber kann ich das nicht mehr. Jetzt muß ich an der Gegenwart und an der Zukunft hängen – um der Kinder willen!«
»Ja, die Kinder, das ist ein Glück, daß Du die wenigstens hast! Wenn man Kinder hat, kann man alles ertragen!«
Elisabeth nickte. Sie wollte dem Vater, der schon so viel mit ihr gelitten hatte, nicht sagen, daß sie immer wieder Angst um die Zukunft der Kinder anfiel, daß sich ihr immer wieder qualvoll die Frage aufdrängte, ob nicht auch in ihren Söhnen einst das Blut des Vaters mächtiger sein könnte als das der Mutter.
Der Oberst sagte:
»Was später wird, können wir heute noch nicht beschließen! Vorerst aber geht Ihr mit mir nach Deutschland zurück. Du mußt einmal für längere Zeit fort von hier, von diesem verfluchten Nest, wo Du so viel durchgemacht hast!«