Als sie das zweite oder dritte Mal bei der Fürstin war, fragte sie:

»Und Ihre Söhne, Fürstin, wo sind sie? Es würde mich sehr interessieren, sie kennen zu lernen!«

Die Fürstin stand auf, holte von ihrem Arbeitstisch einen Lederrahmen, der eine Kabinettphotographie umschloß, reichte sie Elisabeth lächelnd hin:

Das Bild zeigte drei junge Leute im Alter von etwa fünfzehn bis zwanzig Jahren. Die beiden jüngeren trugen die Uniform der Eton-Zöglinge, während der älteste im Ruderanzug aufgenommen war. Man sah auch auf der Photographie, daß die Söhne auffallend der Mutter glichen, von ihr das rötliche Haar und die helle Haut geerbt hatten. Nur der älteste sah trotzdem ein klein wenig in die Familie Tassini hinein, aber auch er zeigte das lange, englische Kinn und den schmalen Mund, dem man's anmerkte, daß er ihn beim Reden kaum öffnete. Voll Stolz berichtete die Fürstin, daß dieser älteste, der natürlich Eton schon hinter sich hatte, jetzt auf den Schlössern junger Studienkameraden den Zauber englischen Countrylifes kennen lernte und den nächsten Winter vermutlich in London zu Hof gehen würde. Elisabeth fand es so absonderlich, sich diese drei angelsächsisch aussehenden Jünglinge als Träger und Vertreter des weichen Namens »Tassini« zu denken, daß sie lachend sagte:

»Weiß Gott, Fürstin, das Stück England, das Sie immer um sich haben wollen, ist Ihnen in Ihren Kindern noch besser gelungen als in Ihren Wohnräumen. Ihre Söhne haben doch nicht einen Zug vom Vater, nichts, gar nichts Italienisches an sich –«

»Nein, gar nichts!«

Es klang wie Triumph.

»Sie lassen die Söhne in England erziehen?«

»Ja. Eton-College ist die einzige Schule, wo ein junger Mann erzogen werden kann.«

»Aber werden sie dort nicht vollkommen Engländer?«