Er lachte wieder kurz auf und sagte:

»Die Geschichte ist zu köstlich, ich muß sie Dir erzählen, obwohl ich sie bis jetzt noch niemand erzählt habe, weil ich mich zu Anfang über ihre Ursache zu sehr geärgert habe!«

Er erzählte, daß es ihm in den letzten Monaten nach langem Studium endlich gelungen war, einen neuen Schiffskesseltyp für Handelsschiffe zu konstruieren, der ihren Kohlenverbrauch fast um die Hälfte reduzierte.

»Stelle Dir nur einmal vor, was das bedeutet, – die Hälfte Kohlenverbrauch, das heißt nicht nur weniger Geldausgaben, sondern auch billigere Frachtsätze, größere Unabhängigkeit von Kohlenstationen, erhöhte Fahrgeschwindigkeit … In jedem vernünftigen Land, etwa bei Euch oder in England, würde man nach solch einer Neuerung alle Hände ausstrecken, aber bei uns – – Hol der Kuckuck die ganze Gesellschaft! Bei uns kümmert sich bis zur Stunde kein Mensch darum. Ich war in Rom, bin von einem Ministerium zum andern gelaufen, um sie für meine Erfindung zu interessieren, aber glaubst Du, daß ich bei ihnen irgendetwas erreicht hätte? Gott bewahre! für solche Kleinigkeiten haben sie keine Ohren und kein Geld. Was nottut, wird ja bei uns immerfort für überflüssig befunden –«

Er fuhr fort in drolligem Zorn zu berichten und nachzuäffen, wie die verschiedenen Ministerien und hohen Beamten ihn ganz von oben herab behandelt hatten, so, als ob sie allesamt die wichtigsten Dinge von der Welt im Kopf gehabt hätten, so daß ihnen gar keine Zeit bleiben konnte, an einen venezianischen Ingenieur und seine Erfindung zu denken. Schließlich war Carlos Geduld gerissen, und er hatte einem der Minister, der noch dazu beim König sehr in Gnade stand, etliche nicht eben schmeichelhafte Redensarten an den Kopf geworfen und sich von ihm mit den Worten empfohlen:

»Wenn ich mit irgendeinem verrückten, abenteuerlichen Projekt zu ihnen gekommen wäre, dann würden Sie sich für mich interessieren, aber für einen Menschen, der vernünftig arbeiten will, haben Sie bekanntlich noch nie Zeit gehabt!«

Das Wort war vom Minister an den König weitergegeben worden, und die Antwort darauf war, daß Carlo Priuli keine Einladung zu dem Festmahl im Palazzo Reale erhielt.

Da Carlo nun einmal begonnen hatte, von seinem Werk zu sprechen, verstummte er nicht mehr, sondern sprach weiter wie jeder, der in seine Arbeit und in sein Ziel verliebt ist.

Es war nicht ganz leicht, ihm zu folgen, denn es handelte sich ja immerfort um technische Probleme und Ausdrücke, aber Elisabeth war es ja von ihrem Vaterhause her gewöhnt, sich rasch in männliche Interessen und Themen hineinzufinden, wenn sie ihr auch fern lagen, daß sie ihn ganz gut verstand und keine überflüssigen oder törichten Fragen tat. Es schien ihr auch köstlich, daß endlich wieder einmal ein Mensch von ernsthaften und nützlichen Dingen zu ihr redete, und sie wäre nicht eine Tochter des allerfleißigsten Volkes gewesen, wenn ihr Carlos Arbeit und sein beharrliches Wollen nicht Respekt und Freude eingeflößt hätten.