Unser Garten, der bisher weiter nichts als eine viereckige Einfriedigung für Gemüse war, erhält eine andre, dem Auge gefälligere Form; zwei halbkreisförmige Flügel laufen vom Eingange nach beiden Seiten des Hauses; der Zaun ist eine Art rohes Korb- oder Hürden-Werk, wie Sie dergleichen in England häufig sehen können, und welches die Bauern geflochtnen Zaun nennen; jedenfalls nimmt sich eine dergleichen Einfriedigung weit malerischer aus als die von gespaltnen Holzscheiten.

Entlang dieser kleinen Einfriedigung habe ich angefangen, eine Art Blumen-Hecke nebst einigen der einheimischen Sträucher anzupflanzen, wovon unsre Wälder und Seeufer strotzen.

Unter den bereits eingeführten sind zwei Geißblatt-Arten mit weißen und rosenfarbnen Blüthen; die amerikanischen Botaniker nennen dieselben Quilostium.

Dann habe ich die weiße Spiraea, (ein strauchartiges Gewächs), welches in Ueberfluß auf dem See-Ufer wächst, die canadische wilde Rose, die rothe blühende Himbeere (rubus spectabilis), Leder-Holz (dircas) auch amerikanisches Mezereon- oder Moos-Holz genannt, dies ist ein sehr hübscher und zu gleicher Zeit nützlicher Strauch; die Rinde wird von den Landleuten als ein Substitut für Stricke, zum Zubinden von Säcken u. s. w. gebraucht; die Indianer nähen ihre Weidenrinden-Körbe gelegentlich damit.

Milde Stachelbeeren, rothe und schwarze Johannisbeeren, Apfelbäume und hier und da ein Weißdorn-Strauch, und einige andre dergleichen Gewächse sind alles, was ich bisher habe einführen können.

Der Stoup (Verandah) ist errichtet, und ich habe erst kürzlich am Fuße der hölzernen Säulen Hopfen gepflanzt. Ich habe auch zwei tragende Ableger einer purpurfarbnen wilden Traube von der Insel in unsrer Nähe aufgezogen und bin neugierig, ihre Früchte zu sehen.

Mein Gatte ist gegenwärtig frisch und wohlgemuth; unser geliebtes Kind befindet sich ebenfalls wohl und läuft überall umher. Wir erfreuen uns einer angenehmen und freundlichen Gesellschaft, die im Verlauf der letzten zwei Jahre so zugenommen hat, daß wir uns über unsre Entfernung von der volkreichern Stadt kaum beklagen können.

Meine theure Schwester und ihr Gatte fühlen sich in ihrer neuen Wohnstätte sehr behaglich und haben ein schönes Stück Land gelichtet und angebaut. Wir besuchen sie häufig und plaudern dann manches liebe Stündchen von der Heimath, der süßen unvergeßlichen Heimath, und schmeicheln uns dabei mit dem angenehmen Wahne, daß wir in einer nicht allzufernen Zeit ihre fruchtbaren Felder und blumigen Thäler einmal wieder sehen werden.

Mit welchem Entzücken würden wir unsre jungen Canadier ihren Großmüttern und Tanten vorführen; mein kleiner Buschmann soll zeitig die Namen dieser unbekannten aber theuren Freunde aussprechen und das Land verehren und lieben lernen, wo seine Aeltern das Licht der Welt erblickten, die herrlichen Hügel des Nordens und mein eignes geliebtes England.

Verursachte mir die Entfernung von meinem Geburtslande, und noch dazu von einem so schönen und gesegneten Lande gar kein Bedauern, gar kein Weh, so würde dies nur ein fühlloses Herz verrathen; dennoch aber muß ich gestehen, daß ich Canada trotz all seiner Rauhigkeit liebe und mich in meinem niedrigen Block-Hause eben so froh und glücklich fühle, als dies in einem reich geschmückten Palaste nur der Fall sein könnte; Gewohnheit versöhnt uns mit manchen Dingen, die uns anfangs nicht recht zusagen wollen. Es ist stets mein Bestreben gewesen, lieber das Süße als das Bittre in den Becher des Lebens zu träufeln, und gewiß ist dies das Beste und klügste, was man thun kann. In einem Lande, wo alles — Jung und Alt, Vornehm und Gering — sich zur Thätigkeit aufgefordert fühlt, würde es höchst ungereimt und thörigt sein, seine Lebensgeister durch unnützes Trauern und Klagen zu dämpfen und im Hause durch Niedergeschlagenheit und unaufhörliche Klagelieder über die Trennung von so vielen theuren Gegenständen in der alten Heimath, eine düstre Stimmung zu verbreiten. Da wir nun einmal hier sind, müssen wir uns so gut als möglich in die Umstände schicken und mit heitrem Muthe das Loos ertragen, welches wir uns selbst gewählt haben. Die Fähigkeit, das Gute, welches wir besitzen, zu genießen, scheint mir ein Haupterforderniß zur menschlichen Glückseligkeit zu sein.