Wir haben so eben Ihr letztes Packet erhalten; — tausend, tausend Dank für den Inhalt! Wir alle freuen uns über Ihre nützlichen Geschenke, vorzüglich über die warmen Shawls und Merinos. Mein kleiner James (Jacob) nimmt sich in seinem neuen Röckchen ganz allerliebst aus, es wird ihn recht gut gegen die Kälte schützen; er küßte die schönen mit Pelz gefütterten Pantoffeln, die Sie für mich beigelegt haben, und sagte »Pussy, Pussy;« bei dieser Gelegenheit will ich erwähnen, daß wir eine hübsche Katze haben, welche Nora Crena heißt, und die Abschiedsgabe unsrer Freundin *** ist, die sie meinem Knaben zum Andenken hinterließ. James ist ganz vernarrt in das Thier; und ich muß Ihnen sagen, daß ich sie fast als eine zweite Wittington's Katze betrachte; weder Maus noch Tschitmunk hat sich seit ihrer Gegenwart in unsre vier Pfähle gewagt; selbst die Heimchen, welche uns mit ihrem ewigen Gezirp von früh bis in die sinkende Nacht beschwerlich fielen, haben ihre alte Behausung verlassen. Außer den Heimchen, die oft in solcher Menge umher schwirren, daß sie eine wahre Plage abgeben, und tuchene und wollene Kleider verderben, werden wir von großen schwarzen Ameisen heimgesucht, die überall umher galloppiren, und Zucker, Eingemachtes, Kuchen, kurz jede Leckerei, wozu sie nur immer gelangen können, verzehren; diese Insekten sind dreimal so groß als die schwarzen Ameisen in England, und haben einen entsetzlichen Appetit; wenn sie keine bessere Beute finden können, so tödtet die eine die andre, und dies mit dem Ingrimm und der Geschicklichkeit der Spinne. Sie scheinen in ihrer Lebensweise weniger gesellig zu sein als andre Ameisen; wiewohl ich mich, bei Berücksichtigung der beträchtlichen Anzahl, die in unser Zimmer dringt, zu dem Schlusse geneigt fühle, daß sie eben so, wie die übrigen Arten der Gattung, einen Verein bilden und in Gemeinschaft mit einander leben.
Während des ersten Jahres seines Aufenthalts in einem neuen Blockhause wird man durch ein beständiges knarrendes, den Ohren äußerst unangenehmes Geräusch belästigt, bis man sich daran gewöhnt hat; dies wird durch ein Insekt, gewöhnlich der Säger genannt, verursacht. Es sind die Larven einer Fliege, die ihre Eier in die Rinde der Fichten-Bäume legt, das Thierchen in seinem unreifen Zustande ist von weißlicher Farbe, der Körper besteht aus elf Ringen; der Kopf ist mit einer kurzen harten Zange bewaffnet, die Haut des Sägers ist so rauh, daß man beim Darüberwegfahren mit dem Finger eine Raspel zu berühren scheint, und doch erscheint sie dem Auge völlig glatt und eben. Sie würden sich wundern, wenn Sie den Haufen feiner Sägespäne unter dem Loche sähen, woran er die ganze Nacht hindurch gearbeitet hat. Diese Säger sind ein gutes Futter für die Baumhacker, und in Gemeinschaft mit einander tragen sie zur schnellen Zerstörung der gigantischen Waldbäume bei, die andernfalls die Erde Jahrhunderte hindurch belasten würden. Wie unendlich groß ist die Weisheit, welche die physische Welt regelt und beherrscht! Wie oft sehen wir große, gewaltige Ereignisse, die durch scheinbar unbedeutende Umstände herbeigeführt werden! aber alle, so klein sie auch erscheinen mögen, sind Diener, welche den Willen ihres Herrn und Gebieters vollstrecken. Einem großen Mangel, nämlich dem Mangel an öffentlichem Gottesdienst an Sonn- und Festtagen wird nun bald abgeholfen werden. Man geht damit um, eine Subscription unter den Ansiedlern dieses und eines Theils der benachbarten Gemeinde zur Aufführung eines kleinen Gebäudes zu eröffnen, welches zugleich den Zwecken einer Kirche und eines Schul-Hauses entsprechen und überdies die Besoldung eines Predigers für seine Bemühungen decken soll. — Er hat sein Gesellschaftszimmer zur einstweiligen Versammlung der Andächtigen hergegeben, und ein sehr achtbarer junger schottischer Geistlicher hat schon verschiedne Male darin Gottesdienst gehalten; ich kann Ihnen versichern, daß unsre religiösen Versammlungen, trotz dem, daß die Emigranten theils der katholischen, theils der bischöflichen u. s. w. Kirche angehören, ziemlich zahlreich ausfallen.
Die Unterschiede zwischen den verschiednen Glaubensgenossen fallen in diesem Lande nicht so in die Augen, als in der Heimath; besonders weil man den Mangel an religiösen Zusammenkünften nur zu merklich fühlt, und mehr den großen allgemeinen Zweck aufrichtiger und inniger Gottesverehrung ins Auge faßt. Das Wort »Gott« ist ein Wohlklang für das Ohr. Möge der Segen des Himmels denjenigen zu Theil werden, welche in Geist und Wahrheit bestrebt sind, die öffentlichen Gebräuche des Sabaths wieder herzustellen, die, wenn sie unsrer eignen Leitung überlassen blieben, nur zu leicht in Vergessenheit gerathen dürften.
Leben Sie wohl!
Achtzehnter Brief.
Geschäftreiches Frühjahr. — Zunahme der Gesellschaft und Bequemlichkeit. — Erinnerungen an die Heimath. — Nordlicht.
Dies ist ein geschäftreiches Frühjahr für uns gewesen; zuerst hatten wir Zucker zu sieden, und diesmal in größerer Menge als früher, als wir unsern ersten Versuch machten. — Alsdann hatten wir Werkleute, indem unser Haus mancher Erweiterung bedurfte; wir haben eine große und bequeme Küche bauen lassen, die alte dient jetzt als Schlafgemach; das Wurzel-Haus und die Milcherei sind ziemlich vollendet. — Wir haben einen Brunnen mit trefflichem Wasser gleich vor der Thür, und eine hübsche hölzerne Scheune ist diese Woche fertig geworden, sie enthält zugleich einen Getraideboden und einen Stall, mit einer Abtheilung für das Federvieh, welches mir viel Unterhaltung und Freude gewährt.
Außer einem hübschen Hühner-Völkchen, den Abkömmlingen von zwei Hennen und einem Hahn oder Rooster, wie die Yankies diesen Vogel nennen, habe ich einige Enten, wozu diesen Sommer auch Truthühner und Gänse kommen werden. Ich verlor etliche meiner besten Vögel nicht durch den Stößer, sondern durch ein sehr schädliches Thier, welches unserm Iltiß genau verwandt ist und hier Scunck genannt wird; es ist weit räuberischer, und richtet größere Verheerungen an als Fuchs und Habicht; denn es kommt wie ein Dieb in der Nacht, dringt in den Hühnerhof ein und hinterläßt furchtbare Spuren seiner Raubgier und seines Blutdurstes.