Gemüse sind im Allgemeinen gut und gelangen schnell zur Reife, wenn man bedenkt, wie spät im Jahre sie gepflanzt werden. Erbsen sind stets gut, besonders die großen englischen Erbsen (marrowfats), welche bisweilen auf den Feldern in gelichtetem Boden, welcher unter dem Pfluge ist, gezogen werden. Wir haben eine große Mannigfaltigkeit an Bohnen, alle der französischen Sorte (Schminkbohne) angehörig; von einer sehr ergiebigen Laufbohne lege ich einige Samen für sie bei; das Verfahren beim Legen derselben besteht kürzlich in Folgendem: man macht einen kleinen Hügel von Damm-Erde indem man die Erde mittels einer Hacke zusammen häuft; drückt ihn an der Spitze platt oder höhlt ihn etwas aus, so daß die Vertiefung gerade die Mitte einnimmt, und legt längs den Rändern vier oder fünf Samen hinein; sobald die Bohne aufgeht und Ranken treibt, steckt man in die Mitte des kleinen Hügels eine fünf bis sechs Fuß lange Stange; sämtliche Pflanzen vereinigen sich an der Stange, winden sich um dieselbe empor, und tragen eine zahllose Menge Schoten (Bohnen), welche wie die Scharlachbohnen geschnitten und gekocht oder auch in ihrem trocknen und reifen Zustande benutzt, nämlich geschmort und mit eingesalznem Fleische genossen werden; letztres ist, glaube ich, das gewöhnliche Verfahren. Die zeitige Buschbohne ist eine Zwerg-Art mit glänzendgelben Samen.

Unser Salat ist gut und leicht zu erbauen, man erhält ihn sehr zeitig, wenn man die Saatlinge verpflanzt, welche, gleich nachdem der Schnee gewichen ist, über der Erde erscheinen. Kraut, und alle Wurzel-Arten werden den Winter über in Kellern oder Wurzel-Häusern aufbewahrt; aber von der nachtheiligen Gewohnheit, grüne Gemüse in den seichten feuchten Kellern unter der Küche aufzuheben, mögen manche Krankheiten herrühren, wovon die Ansiedler, unter der Form von Sumpf-, Wechsel- und andern nachlassenden Fiebern heimgesucht werden.

Manche, besonders von der niedern Klasse sind nicht hinreichend sorgsam in Befreiung dieser Keller von den verwitternden Ueberbleibseln vegetabilischen Stoffes, die man oft Jahrelang sich anhäufen läßt, und hierdurch muß natürlicher Weise die Atmosphäre in den Häusern verdorben werden. Ist das Haus klein und die Familie zahlreich, und mithin den schädlichen Einflüssen während der Nacht ausgesetzt, so kann man sich die traurigen Folgen leicht vorstellen.

»Man spreche nur nicht von Seen und Morästen, als der Ursache von Fiebern und Rheumatismen; man richte sein Augenmerk hierbei besonders auf die Keller,« war der Ausspruch eines erfahrnen Yankie-Doctors. Und wirklich glaube ich, daß der Keller unsers Hauses schuld an unserm Erkranken war, und daß seine Ausdünstungen das Uebel den ganzen Frühling und Sommer hindurch unterhielten.

Ein Wurzel-Haus ist zur Bequemlichkeit einer Ansiedler-Familie durchaus erforderlich; bei gehöriger Construction, mit doppelten Blockwänden, und bei gehöriger Verwahrung des Daches gegen das Durchsickern des Regens oder schmelzenden Schnees, kann man darin Gemüse, Fleisch und Milch lange und unversehrt aufbewahren. Sie werden fragen, warum, wenn der Nutzen wirklich so groß und die Bequemlichkeit so wesentlich ist, nicht jeder Ansiedler ein dergleichen Nebengebäude errichtet?

Das, liebe Mutter, ist gerade die Bemerkung, welche jeder neue Ankömmling macht; allein er überzeugt sich nur zu bald von den Schwierigkeiten, welche einer Einrichtung der Art zu Anfange entgegen stehen; er müßte denn, was aber leider nicht oft der Fall ist, bares Geld in Ueberfluß besitzen, um die erforderliche Arbeiter-Zahl miethen zu können. Arbeits-Löhne sind so kostspielig, und die Zeit zur Arbeit ist so kurz, das die Aufführung manches nützlichen, zur Bequemlichkeit dienenden Gebäudes für die Zukunft aufgespart werden muß; ein Keller, den ein Mann, vorausgesetzt, daß er fleißig arbeitet, in zwei Tagen graben kann, ist alles, worauf man vor der Hand zählen darf, bis die Zeit kommt, wo man mehr Muße hat, oder die Nothwendigkeit ein Wurzel-Haus erheischt. Wir selbst können uns als Beispiel dieses eben nicht willkommnen Aufschubs anführen; allein nunmehr sind die Blöcke dazu geschnitten, und wir werden in nächstem Frühjahr eine so nützliche Anstalt besitzen. Ich würde aber doch jedem rathen, gleich von vornherein oder doch so bald als möglich ein Wurzel-Haus zu bauen, so wie auch einen Brunnen zu graben; das nur wenige Fuß unter der Erde befindliche Quellwasser machen letztre Arbeit weder schwierig noch sehr kostspielig. Die Bäche und kleinen Wasser-Behälter versiegen bei sehr trocknem Wetter nicht selten, und das See- und Fluß-Wasser wird im Frühjahr und Sommer warm und ekelhaft. Das Quell-Wasser ist in der Regel kalt, — selbst in der heißesten Jahreszeit, — und in hohem Grade erfrischend.

Der Winter scheint jetzt in seiner ganzen Strenge einzutreten. Schnee ist seit Mitte Oktobers bereits zweimal gefallen, aber eben so oft wieder verschwunden, allein jetzt ist der Boden steinhart gefroren; der kühne Nordwestwind bläst eiskalt über die öde Flur, und Alles und Jedes um uns her erscheint frostig und winterhaft. Die dunkle Fichten-Linie, welche die entgegengesetzte Seite des Sees begrenzt, ist bereits mit Reif und Schnee bedeckt, und der halbgefrorne See zeigt eine dunkle Bleifarbe, deren Einförmigkeit blos die in langen Spitzen hervorschießenden Eismassen, welche gleichsam Baien und Halbinseln bilden, unterbrechen. Die Mitte des Stroms, wo die Gewalt des Wassers am größten ist, ist noch nicht ganz mit Eis belegt, sondern fließt in dunkeln Wogen dahin, wie ein Fluß zwischen seinen gefrornen Ufern. An einigen Stellen, wo die Ufer abschüssig und mit Wurzeln und Strauch-Werk überwachsen sind, nehmen der gefallne Schnee und das Wasser die seltsamsten Formen an.

Ich bin an heitern Winter-Tagen stundenlang stehen geblieben und habe meine Augen mit namenlosem Entzücken auf den mimischen Wasserfällen weilen lassen, die längs dem Ufer zu festen Eismassen erstarrt sind, und als ich von dem Mühlendamm aus diese niedlichen Spielereien Vater Frosts betrachtete, malte ich mir im Geiste die erhabne Scenerei der arktischen Welt.

Trotz seiner sehr langen Dauer und äußersten Strenge habe ich doch den canadischen Winter gern; er ist entschieden die gesundeste Jahreszeit; und es ist kein kleiner Genuß, von den Plagen der Insekten-Schwärme befreit zu sein, die der Annehmlichkeit der schönen Sommer-Monate keinen geringen Abbruch thun.