Kaltes Fieber. — Unwohlsein der Familie. — Wahrscheinliche Ursache. — Wurzel-Haus. — Eintritt des Winters. — Insekt, der Säger genannt. — Einstweilige Kirche. —
November 28, 1834.
Mein mehrmonatliches Stillschweigen wird Sie gewiß befremdet haben, allein wenn ich Ihnen erzähle, daß Krankheit daran Schuld war, so werden Sie sich nicht mehr darüber wundern, daß ich nicht eher als heute wieder geschrieben habe.
Mein guter Mann, meine Magd, mein armer Kleiner und ich selbst wurden alle zu gleicher Zeit vom Fieber befallen und ans Bett gefesselt. Sie wissen nur zu gut, wie mich das kalte Fieber stets zu Hause gequält hat, und dürfen sich daher nicht wundern, wenn ich Ihnen sage, daß meine Leiden, in einem Lande, wo Sumpffieber und alle Arten von Wechselfiebern zu Hause sind, nicht gering waren.
Wenige Emigranten kommen durch das erste Jahr, ohne von diesen Uebeln heimgesucht zu werden; die Behandlungs-Weise besteht in wiederholten Gaben Calomel (versüßtes Quecksilber) nebst Biber-Oel oder Salzen, worauf China angewendet wird. Diejenigen, welche dabei von ärztlicher Behandlung nichts wissen wollen, curiren sich mit Wachholder- oder starken Aufgüssen von Hyson oder einem andern starken grünen Thee, Pfeffer und Branntwein, nebst manchen andern Mittelchen, denen Gewohnheit oder Quacksalberei das Wort redet.
Ich will nicht länger bei dieser traurigen Zeit stehen bleiben, als nöthig ist, um Ihnen zu sagen, daß wir die Ursache unsers Erkrankens in einer übeln Ausdünstung suchen, die wohl von einem Keller unter der Küche ausgehen mochte. Als der Schnee schmolz, füllte sich dieser Keller zur Hälfte mit Wasser, entweder in Folge der Nässe, welche durch den schwammigen Boden eindrang, oder aus einem Quell, der unter dem Hause entspringen mochte; wie dem auch sei, die Hitze des Koch- und Brat-Ofens in der Küche bewirkte eine Gährung in der stockenden Flüssigkeit, ehe sie entfernt werden konnte; die schädlichen Dünste, welche sich aus dieser Masse fauligen Wassers entwickelten, waren uns allen nachtheilig; die Hausmagd, welche dem schädlichen Einfluß am meisten ausgesetzt war, erkrankte zuerst —, und kurz darauf folgten wir alle nach, so daß bald keiner mehr dem andern Beistand leisten konnte. Ich glaube, meine Krankheit steigerte sich noch dadurch, daß ich die Leiden meines guten Gatten und meines theuren Kindes mit ansehen mußte.
Das Fieber, Dank sei es dem Calomel und dem Quinin, verließ mich nach Verlauf von vierzehn Tagen wieder; und eben so mein Kind und seine Wärterin. Meinem Gatten aber hing es den ganzen Sommer hindurch an, hemmte ihn in seiner Thätigkeit und stimmte ihn mißmuthig und verdrießlich; letztres ist eine unausbleibliche Folge des Fiebers, es macht eben so kleinmüthich und verzagt, und stimmt die Lebens-Geister eben so sehr herab, wie ein Nervenfieber. Mein Knabe ist, seitdem er am Wechselfieber gelitten, noch nie wieder recht gesund gewesen, und sieht sehr blaß und grillig aus.
Wir würden uns, da weder eine Magd, noch eine Wartefrau, noch sonst ein dergleichen Dienstbote zu erlangen war, in einer sehr schlimmen Lage befunden haben, wofern uns nicht Marie und Susanne beigestanden hätten. Ich wußte wirklich nicht, was unter so mißlichen Umständen, ohne diese Hülfe, aus uns hätte werden sollen.
Dieser Sommer ist ausnehmend heiß und trocken gewesen; das Wasser in den Seen und Flüssen war ausgetrocknet, mehre Wochen hindurch fiel auch nicht ein Tropfen Regen. Die äußerste Dürre vernichtete die Kartoffel-Ernte völlig. Unser indianisches Korn dagegen stand sehr schön, desgleichen geriethen die Kürbisse gut. Wir hatten einige schöne Gemüse im Garten, vorzüglich Erbsen und Melonen, die letztern waren sehr groß und zart. Die Cultur der Melone ist sehr einfach; man häuft zuerst vermittelst einer breiten Hacke die umgebende Erde zusammen; die Mitte dieses Haufens wird dann leicht ausgehöhlt, so daß sie gleichsam ein Becken bildet, und die Erde am Rande wird noch etwas gehoben; in diese Höhlung steckt man mehre Melonen-Samen und überläßt sie dann der Sonnenhitze, indeß ist es gut, wenn man den Pflanzen von Zeit zu Zeit etwas Wasser giebt; der Boden muß wo möglich in schöner schwarzer Damm-Erde bestehen; und wenn die kleinen Hügelchen eine Niedrigung einnehmen, so daß immer etwas Wasser im Umkreise stehen bleibt, desto besser gerathen die Melonen. Es ist die Meinung mehrer praktischer Leute, welche durch mehrjährige Bekanntschaft mit dem Lande, Erfahrung eingeerntet haben, daß man bei Anlegung und Anpflanzung eines Gartens die Beete nicht empor heben soll, wie dies gewöhnlich der Fall ist; sie geben als Grund dafür an, daß die Sonnen-Hitze die Feuchtigkeit, wenn das Beet hoch ist, leichter vom Erdreich wegziehe, als im entgegengesetzten Fall, und daß in Folge der Dürre des Bodens die Pflanzen welken.
Da einige Wahrheit in dieser Bemerkung zu sein scheint, so bin ich geneigt, das Verfahren anzunehmen.